Interview mit Lucky vom Batterieteam Lucas

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Es ist immer etwas Besonderes für mich, Fahrer zu interviewen, die man eigentlich schon lange vom Fahrerlager her kennt, zig Mal fotografiert hat, aber dennoch gar nicht so viel von ihnen weiß.

Ich vergleiche das immer gern mit den Lagerfeuergeschichten. Sie sind vielleicht nicht ganz neu oder aktuell, aber haben immer irgendwie etwas magisches, bleibendes und interessantes.

Ich freue mich, hier den alten MX-Haasen Lucky vom Batterieteam Lucas anzukündigen, der in Zukunft auch noch ordentlich bei den Classic´s mitmischen will.

Danke Lucky, es war mir eine Ehre!

Kontakt-Facebook: Lucky Batterieteam Lucas
Internet: www.batterieteam-lucas.de 

Sponsoren: Motul, Batterie Spezialshop Lucas, STEP & BIKE – Matthias Schramm,  GeKa-Tec GmbH Anlagen- und Metalltechnik, Creativ Design – Sven Fredrich – auch bester Kumpel und ich, der Teamchef selbst (Lucky)

Lucky, seit wann fährst Du schon Motocross? Wie hat alles angefangen?

Ich bin 1971 geboren und habe mit 14 Jahren auf einem Eigenbau mit CZ-Rahmen und einem 50 Ccm Simson-Motor 3 Gang angefangen. Der war so ein bisschen getunt. Dann sind wir beim MC Post Berlin eingestiegen und haben die ersten 50 Ccm DDR-Landesmeisterschaften bestritten.

Beim MC Bestensee war ich dann erfolgreich, das alles aber mit großer Unterstützung meines Vaters. Zu dieser Zeit haben wir uns eine CZ 125 gegönnt und fingen damit an, die DDR Juniorenmeisterschaften und offene Rennen zu fahren. Bis wir feststellten, dass plötzlich Spezialfahrzeuge, also Bikes, per Pakete über bestimmte Leute in die DDR eingeschleust wurden und dann teuer verkauft wurden. Da musste dann der Name Honda oder Suzuki weggefräst und das Wort „Spezial“ raufgeschrieben werden. So fuhren dann einige mit Westmaschinen die Rennen, die besseren Federkomfort und Motoren hatten.

Ab dem Tag waren wir mit der CZ ins Hintertreffen geraten und nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber den Spezialfahrzeugen. Das hat dann auch keinen Spaß mehr gemacht, weil sie dir bei jedem Rennen dann 1-2 Runden abgenommen haben, ohne dass man schlechter war. Damit war man natürlich bedient. Später, nach der Wende, um 1990 habe ich mir meine erste Westmaschine KX 125 in Hamburg geleistet. Alle weiteren Kawasaki-Modelle hab ich immer bei Hartmut Kunkel im Laden gekauft.

Was war Dein erstes Bike? Kannst Du Dich noch an Dein erstes Mal fahren erinnern?

Bevor wir diese Simson gekauft haben, war ich im Gelände Sport Club Berlin (GST Club). Das war zu DDR-Zeiten ein NVA Motorradverein, der die Jugend an den Geländesport heranführen sollte. Zu dieser Zeit im Verein hatte ich eine alte TS gestellt bekommen, das sind die Motorräder, mit denen man an der Grenze gefahren ist. Mit diesen Geländemaschinen mussten wir in Karlshorst die ersten Übungen machen. Schrägen hoch, Slalom fahren und so weiter. So fing das alles an und dann hat man Blut geleckt.  Später hatten wir ja dann die Crosser im CZ Rahmen mit Simson-Motor gekauft.

Welche Erfolge schmücken denn Deine MX-Karriere? Worauf bist Du besonders stolz?

Dazu zählen zwischen 1986-1988 mehrere vordere Plätze auf dem Podium beim MSC Bestensee in der 50 Ccm Klasse. 2009 Vizelandesmeister in der neugeschafften Klasse Open-Fahrer über 35 Jahre. Diese wurde erstellt, weil sich einige Seniorenfahrer aufgeregt haben, dass die Senioren älter sein müssen.

Andere Erfolge waren 2016 im Landespokal Mecklenburg Vorpommern, wie der dritte Platz bei der Ü45 oder 2017 und 2018 der vierte Platz im Landespokal MV auch bei den Senioren ab 45 Jahren.

Ansonsten habe ich einige Erfolge bei etlichen 2 Stunden-Cross-Rennen usw. mit meinem Team-Fahrer Sven Fredrich erzielt, was uns Beide auch immer sehr stolz macht.

Wer und was steckt hinter dem Batterieteam Lucas?

Das Team entstand 2004, als es die Möglichkeit gab, für weniger Geld, Teams zu gründen. Vorher kostete es beim DMSB an die 300 Euro.

Da haben mein Vater und ich uns den Namen „Batterieteam Lucas“ ausgedacht, da er ein Batteriegeschäft für Batterien diverser Größen, wie Boots- und Wohnmobilbatterien, hatte und Lucas halt mein Name ist. Bis jetzt hat das Team Bestand. Anfangs mit nur zwei Fahrern und bis heute ist es angestiegen auf 12 Fahrer. 

Lucky und Ehefrau Biena

Warum hast Du die Startnummer 22? Hat sie eine Bedeutung?

Ja, diese Zahl ist magisch. Sie ist meine Glückszahl und wird auch von uns beim Lotto gespielt.

Ich bin am 22.04.71 geboren, meine Tochter ist auch an einem 22. geboren, unsere Hochzeit war am 22. Diese Zahl zieht sich durchs ganze Leben. Sie war immer meine Startnummer, seit ich Chad Reed Fan war und das schon vor der Wende. Der war immer mein Idol und ist es auch immer noch, so wie Ken Roczen.

Was begeistert Dich so an dem Sport, Du bist ihm ja auch schon sehr lange treu geblieben?

Wir haben den Virus. Das hat in meiner Jugend angefangen durch den GST Sport und ich bin durch das Zuschauen in Bestensee und Wriezen direkt an der Rennstrecke infiziert worden. Es hat mich trotz einiger Brüche einfach nicht mehr losgelassen. Ich fahre und lebe es richtig, so wie ich es mir im Fernsehen auch anschaue. Ich kann mir nichts Besseres als Hobby vorstellen.

Welche Ziele hast Du für die Saison 2019?

Gesund bleiben, keine schweren Crashs erleben oder drin verwickelt werden. Ich habe mich auch in der Classic-Klasse eingeschrieben. Da möchte ich natürlich auch noch meine Stärke zeigen. Ich hoffe, da ich ja nun ein alter DDR Crosser bin, dass ich dadurch vielleicht auch noch mit den älteren Motorrädern gut umgehen kann. Ich würde mich freuen, wenn es natürlich auch etwas nach vorne geht. Classic TOP 10 wäre schon cool. Und in der Landesmeisterschaft in Mecklenburg Vorpommern möchte ich in die TOP fünf fahren, was aber schwieriger wird, weil viele jüngere Fahrer in die Klasse ü45 aufsteigen. Man muss immer mehr machen, wenn man älter ist, als ein 45-jähriger.

Lucky mit Stefan Everts

Hast Du ein Vorbild? Neben wem würdest Du gern mal am Startgatter stehen?

Mein größtes Vorbild ist Chad Reed TwoTwo Motorsports. Das ist ein total symphatischer Typ mit den legendären Kämpfen gegen James Bubba Steward und generell ist die Startnummer natürlich auch symphatisch.

Ansonsten natürlich Ken Roczen und nicht zu vergessen Max Nagl. Er ist auch immer ein Vorbild, wie lange er sich schon an der Spitze hält.

Aus unserer Region, war Daniel Siegel immer mein Vorbild. Steffen Albrecht ist auch ein sehr guter WM Fahrer und Supermoto-Gewinner. Olle Albi mit der #28 ist ein großes Vorbild von mir. Ansonsten teilweise auch meine Teamfahrer, wie Oskar Stenzel, der dieses Jahr Europameisterschaft gefahren ist. Ebenfalls sein Vater, wie der das mit den weiten Wegen nach Belgien usw. managt.

Meine Frau ist ebenfalls ein großes Vorbild für mich. Sie ist immer dabei und hilft mir immer. Das muss man auch erst alles managen.

Ja, das sind alles meine Vorbilder.

Lucky mit Tochter Lucy

Wenn Du in die Zukunft schaust, wo würdest Du Dich in zehn Jahren gerne sehen?

Wenn ich in die Zukunft schaue, will ich mich immer auf dem Motorrad sehen. Mit 50 wollte ich ein wenig ruhiger treten. Jetzt bin ich 48 und sehe aus wie 38.

Aber in zehn Jahren werde ich wahrscheinlich noch Classic fahren, aber nicht mehr Senioren Ü45, wo es so verrückt geworden ist.

Ziel ist, Classic beizubehalten und hoffentlich noch mit meinen Freunden, wie Dir und Andre, und generell mit der ganzen Cross-Familie noch glücklich sein.

Andre Brandin und Lucky

Gibt es einen Moment in Deiner MX-Zeit, der Dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es waren sehr viele schöne Momente. Der Open-Ü35-Vizemeistertitel in Berlin-Brandenburg. Dann der erste Platz im 2-Stunden-Cross in Jüterbog mit meinem Teamfahrer Enrico Ryl. Das war ein Highlight, mal ganz oben zu stehen.

Dann natürlich die ganzen Feierlichkeiten in Mecklenburg Vorpommern. Die machen wirklich tolle Siegerehrungen. Die sind natürlich auch nicht zu vergessen, gerade wenn man da unter den ersten fünf geehrt wird. Das waren immer tolle Erinnerungen mit langen anstrengenden Partys.

Ein besonderer Moment ist auch, wenn alle Teamfahrer glücklich sind und sagen: „Mensch Lucky, das war ein schönes Wochenende!“  

Marco Dorsch und Lucky

Was packst Du zum Rennen ein, was nie fehlen darf?

Auf jeden Fall Bier und auch der kleine Havanna-Cola. Ebenfalls ist Holzkohle ganz wichtig. Ich grille ja immer auch für alle. Ansonsten Grillanzünder und Fleisch. Sprit darf auch nicht fehlen und die Lizenz. Was mir im Leben erst einmal passiert ist, aber auch ich hab sie einmal vergessen. Die darf natürlich nicht fehlen.

Foto: Crossbloxx

Hand aufs Herz, schon einmal einen peinlichen Moment gehabt, über den Du heute lachen kannst?

Wenn man fast die Vorstartzeit nicht schafft, weil man aufgeregt noch auf die Toilette muss. Wenn das Motorrad am Gatter ausgeht, gerade wenn man mit Batterieteam-Hemd da steht. Jeder der mich kennt, weiß aber, dass ich ein lustiger Typ bin und mir nichts peinlich ist.

Wie vertreibst Du MX-freie Zeit, gerade auch im Winter?

Natürlich mit meiner Frau, sie muss ja auch immer so oft zum Motocross mitkommen Wir freuen uns, wenn wir dann auch mal mit unserem AIDA-Dampfer in den Urlaub fahren,  unsere Crossfreie Zeit genießen und uns auch mal erholen.

Und ansonsten probiere ich mich so ein bissel mit Fitness aufrecht zu erhalten. Klappt aber auch nicht immer, da mein Job durch die Mülltonnenzieherei schon ein Fitnessjob ist. Aber ansonsten rennen wir eigentlich auch immer noch zum Motocross. Am schönsten ist es mit dem Wohnmobil zur Ostsee zu fahren oder mit der AIDA reisen.

Und wir vertreiben unsere Zeit mit unseren Hunden. Wir haben ja unseren Hund Lumpi und einen Gasthund Apollo. Die bekommen dann auch viel Pflege. Also zusammenfassend gesagt, Zeit mit der Familie verbringen.

2010: Lucky und Ken Roczen

Gibt es etwas, dass Du gern im MX-Bereich ändert würdest, wenn Du könntest?

Ich würde schön finden, wenn alle Strecken Bewässerungsanlagen hätten, damit die Stauberei ein Ende hat. Die Sommer werden ja auch immer heißer. Aber das ist ja nicht umsetzbar.

Ansonsten, dass die Streckenbegrenzungen kein Flatterband mehr haben sondern die Gummidinger, die von alleine umfallen, damit nichts mehr passieren kann. Ich würde das Nenngeld wieder auf 30 Euro runterschrauben. 40 Euro ist schon für viele junge Fahrer fast unerschwinglich, wenn sie die ganze Saison fahren wollen. Das geht so ans Geld, das sie sich das ohne Hilfe gar nicht mehr leisten können. Ich verstehe natürlich auch die Veranstalter, die dann auch die Krankenwagen und alles bezahlen müssen und das auch alles immer teurer wird. Das ist natürlich auch eine Zwickmühle. Aber um mehr Fahrer zu aktivieren, bringt es nichts, das Nenngeld immer mehr hoch zu setzen.

Außerdem würde ich mich freuen, wenn sich mehr junge Leute noch mehr im Motocross engagieren würden und das nicht immer nur auf den Rücken von fünf Mann ausgetragen wird.  

Lucky und Ditmar W.

Wenn es etwas gibt, was Du der neuen MX-Generation mit auf den Weg geben könntest, hast Du hier die Möglichkeit.  

Immer Spaß am Fahren zu haben und nicht immer alles so verbissen sehen. Sich nicht von den Eltern in den Arsch treten lassen und dann teilweise Angst haben beim Fahren. Dann passiert ja meistens was.

Ich würde mir auch wünschen, dass die Eltern an der Strecke die kleinen Pipels nicht immer so anblöken, wenn sie nicht die Leistung bringen. Ich würde mir wünschen, dass das alles ein bisschen lockerer gesehen wird. Auch die Fahrer gerade in der Senioren-Klasse 1 ab 35 Jahren. Einige fahren mit dem Messer in den Zähnen, als wenn es da um ihr Leben geht. Dabei fahren sie nur um die goldene Ananas und um den kleinen Eierbecher.

Ich würde mir wünschen, dass sie alle mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden. Ich merke, umso älter die Klassen werden, umso besser wird es. Aber gerade in der Seniorenklasse 1 geht es gar nicht mehr mit dem Anbrüllen und alles. Es muss ja alles nicht sein. Man kann ja auch normal Motocross fahren. Und wer schneller ist, kann ja vorbei fahren und muss nicht brüllen. Das würde ich mir wünschen, dass sich das mal verändert.

Wann ist das nächste Rennen, bei dem wir Dich antreffen?

Als nächstes bin ich auf jeden Fall am 29./30. Juni 2019 im Europameisterschaftslauf der Classic beim MC Jüterbog. Da starte ich für meinen Verein MC Jüterbog als einziger Classic-Fahrer.

Wie findet Deine Frau Dein Hobby?

Sie steht voll dahinter und freut sich auf die Crossfreie Zeit. Es muss nicht übertrieben werden, dass man jedes Wochenende fährt. Frau und Tochter haben kein Problem damit, dass Papa fährt. Zudem fahre ich ja auch mit meinem Trauzeugen und Lieblingsfreund Matthias Frank, mein Schmiermaxe. Er muss nix schmieren, das mache alles ich. Aber der ist immer da und zeigt mir an.

Wenn meine Frau gerade nicht kann, ist er immer für mich da. Das Team liebt ihn. Er ist ein toller Mechaniker und toller Freund an der Rennstrecke.

Der Rote und Lucky

Letzte Worte:

Ich möchte gesund bleiben und mich nicht schwer verletzen. Wer diesen Sport betreibt, geht immer ein Risiko ein. Und ich hoffe, dass der Motocross-Sport sich noch ein paar Jahrzehnte weiter erhält.

Durch diese Gleichgültigkeit und Vereinslosigkeit der Leute, dass sie nicht mehr alle so einen Zusammenhalt haben, schläft das alle immer mehr ein. Und durch die immensen Auflagen, die den Vereinen gestellt werden, wird es für die Vereine immer schwieriger, Rennen zu veranstalten. Das ist eigentlich meine Angst, dass wir in zehn Jahren vielleicht gar nicht mehr Motocross fahren dürfen. Oder die Grünen, die mir ein Dorn im Auge sind, die verbieten ja sowie so alles. Wenn da mal ein Frosch rüber hüpft oder die Nachtigall, die da schon seit 20 Jahren an der Cross-Strecke trällert und plötzlich ein anderes Gefieder hat, dass gleich die ganze Cross-Strecke zugemacht wird. Ich hab davor richtig Angst, dass die Grünen den Motorsport kaputt machen.

Ich hoffe, dass alle und viele den Sport lange betreiben können und den Virus so leben, wie meine Frau und ich und meine Freunde ihn genießen.

Sven Fredrich von Creativ Design und Lucky

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