Interview #226 Tom Koch, Team Sarholz

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Foto: Steve Bauerschmidt

Wie zufrieden bist Du gerade mit Deiner MX-Karriere? Läuft alles so, wie Du es Dir vorstellst?

Zurzeit läuft gerade leider nicht alles nach Plan. Nach der Rückenverletzung von dem SX in Dortmund war meine Vorbereitungszeit für die Outdoor-Saison nur sehr begrenzt. Dementsprechend war der Einstieg in die MXGP-Klasse noch ein Stück schwieriger, als er so schon geworden wäre.

Dennoch muss ich sagen, dass ich mich von Rennen zu Rennen ein StĂĽck steigern konnte und immer mehr zu besserer Leistung fand.

Sicher konnte ich auch nicht erwarten auf Anhieb in die Punkte zu fahren, da das Fahrerfeld extrem stark ist. Aber wir kamen den Punkten immer näher, bis zu dem Rennen in Italien/Pietramurata. Dort verdrehte ich mir so ungünstig den Fuß, dass ein Band in meinem Sprunggelenk riss und ich den zweiten Lauf vorzeitig beenden musste.

Ich trat dann mit dem kaputten FuĂź in FĂĽrstlich Drehna beim ersten ADAC MX Masters Rennen an, was aber leider eine absolute Katastrophe war. Am Dienstag darauf lieĂź ich mich dann operieren.

Foto: Steve Bauerschmidt

So wie ich es mitbekommen habe, fĂĽhlst Du Dich mit Deinem Bruder Tim im Team Sarholz sehr gut aufgehoben. Was meinst Du, woran liegt das?

Natürlich. Die Zusammenarbeit mit dem Team läuft sehr gut und dafür bin ich sehr dankbar. Wir arbeiten nun schon das dritte Jahr zusammen. In den letzten Jahren konnte ich meine größten Erfolge im Motocross einfahren und hoffe natürlich, dass da noch einige dazu kommen. Wir arbeiten alle sehr gut zusammen und verfolgen ein gemeinsames Ziel.

Gib mal ein paar Einblicke in die Zusammenarbeit mit Marcus Schiffer.

Die Zusammenarbeit mit Marcus kam auch durch mein Team, KTM Sarholz. Wir konnten diesen Winter schon einige Stunden zusammen trainieren und er konnte mir schon den ein oder anderen Tipp geben. Vor der Verletzung in Dortmund hatte ich einen sehr guten Speed auf meinem Bike. Leider wurde mir durch die zwei Verletzungen vieles erschwert, wo ich einige Zeit nicht auf das Motorrad konnte. Aber wir sind zuversichtlich und steigen bald wieder ins Bike-Training ein.

Verfolgst Du auch, was unsere deutschen Top-Fahrer so machen? (Henry Jacobi, Ken Roczen und Team-Kollege Max Nagl)

Klar. Kenny verfolge ich immer ĂĽber das Internet und bei Henry bin ich ja meistens dabei.

Was hast Du Dir fĂĽr diese Saison auf die Fahne geschrieben?

Ganz oben steht jetzt erstmal, den Rest der Saison gesund zu ĂĽberstehen. NatĂĽrlich arbeite ich dran, den einen oder anderen Punkt in der WM zu sammeln und ein Masters Podium einzufahren.

Wir schauen wie es noch läuft. Ich bin motiviert und bereit für die noch offenen Rennen.

Wie bereitest Du Dich mental auf ein Rennen vor? Was pusht Dich da?

Ich arbeite seit fünf Jahren nun mit meiner Mentaltrainerin Julia David zusammen. Wir haben in den fünf Jahren schon viele Fortschritte gemacht und natürlich habe ich mit ihrer Hilfe schon viele Ziele erreichen können. Definitiv ist es für einen Sportler nicht einfach, so viele internationale Stufen in so kurzer Zeit zu durchlaufen. Aber bis jetzt konnte ich mich in jeder Klasse schon gut beweisen und so soll es auch weitergehen.

Zusammen bereiten wir mich immer mental auf die Rennen vor.

Foto: Steve Bauerschmidt

Was geht in Dir vor, wenn Du bei der WM zwischen den ganzen Superstars an den Start gehst und selbst ein Teil davon bist?

Wie schon geschrieben wurde, bin ich nun selbst ein Teil davon. Vor ein paar Jahren stand ich noch am Streckenrand und habe zugeschaut, jetzt bin ich mittendrin. Ich bin stolz, nun die Chance zu haben und mich mit dazu zu zählen.

Auch wenn noch viel Arbeit auf mich wartet, ich bin bereit und nehme auch den Arschtritt in Kauf.

Die Ergebnisse sind noch nicht die, die wir erreichen wollten. Dennoch gehört auch das dazu und ich kann daraus viel lernen.

Bekommst Du den ganzen Trubel mit oder blendest Du das aus und bist nur auf das Rennen fokussiert?

Natürlich sollte man sich an einem Rennwochenende auf das Wesentliche konzentrieren und das ist in diesem Fall, auf mich selbst. Die Anspannung an so einem Rennwochenende ist enorm hoch und man ist ständig dem Stress ausgesetzt. Dennoch muss man auf dem Bike so locker sein, wie es nur geht, um die perfekte Leistung abrufen zu können. Das ist das, was mir im Moment noch etwas fehlt.

Was meinst Du, was Deine Stärken und Schwächen beim Rennen sind?

Meine Stärken sind auf alle Fälle meine Starts, die ich größtenteils sehr gut hinbekomme. Außerdem sehe ich, dass ich mich in den letzten Jahren immer steigern konnte. Ich bin immer wieder in eine neue Klasse gekommen und konnte dort gute Platzierungen einfahren.

Meine Schwächen sind aber, dass ich mir in manchen Situationen einfach zu viele Gedanken mache. Das heiĂźt, dass ich manchmal nicht ich selbst auf dem Motorrad sein kann und dadurch sehr verhalten bin. 

Foto: Steve Bauerschmidt

Wie verarbeitest Du auch mal Rückschläge, wie zum Beispiel Verletzungen oder wenn es mal nicht gut gelaufen ist? Ist das dann eher Motivation für das nächste Rennen?

Wie schon erwähnt, hatte ich ja in letzter Zeit leider relativ viel mit Verletzungen zu tun. Aufgeben oder mich runter zu drücken ist das letzte, was mir dabei einfällt.

Ich gebe dabei immer das Beste für mich und meinen Körper, um so schnell wie möglich wieder fit zu werden und auf das Bike zu kommen. Der Einstieg in die Rennen fällt einem dann meistens wieder etwas schwieriger, aber auch das akzeptiere ich und versuche an meinen Schwächen zu arbeiten.

Foto: Steve Bauerschmidt

Wie wichtig ist Dir Dein Style auf dem Bike? Also „Whips and Scurbs“ raushauen usw. Trainierst Du das extra?

Der Style auf dem Bike ist mir erstmal egal. Wichtig ist, dass die Fahrtechnik passt und der Speed da ist. Dann lieber sieht es nicht so gut aus, ist aber dafür schnell, als es umgedreht wäre.

NatĂĽrlich macht es auch mal SpaĂź Whips zu ziehen. Aber das wird bei mir nicht extra trainiert.

Durch Scrubs wiederrum kann man viel Zeit gewinnen, so dass es sich lohnt, auch sowas beim Training einzubauen.

Trainierst Du auch mit Deinem Bruder? Wie sieht das aus? Battelt Ihr Euch auch manchmal?

Natürlich trainieren wir auch zusammen. Gut ist, dass wir ungefähr dasselbe Tempo haben und dadurch das Training miteinander sehr intensiv wird. Das ist für beide Seiten gut und man kann sich so perfekt auf den Rennmodus vorbereiten.

Um so weit zu kommen wie Du, braucht man eine große Portion Talent, aber sicher auch viel Disziplin, Ehrgeiz und Menschen, die einem den Rücken freihalten. Wer gehört zu den engsten Vertrauten?

Das ist wohl war. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, so ein tolles Team hinter mir zu haben. Dazu gehören natürlich zu einem großen Anteil meine Eltern, Großeltern und mein Bruder.

Aber auch mit dem ADAC Hessen ThĂĽringen konnte ich nicht nur den Kontakt mit Collin Dugmore aufbauen, sondern auch mit der UnterstĂĽtzung riesen Fortschritte machen. Mit Collin arbeite ich nach wie vor auch noch zusammen, denn letztendlich hat er auch einen groĂźen Anteil an meiner heutigen Leistung.

Nicht zu vergessen sind natĂĽrlich mein Mechaniker Gerrit und mein Team KTM Sarholz inklusive allen UnterstĂĽtzern. Sowie Zupin Motorsport, die mich jetzt schon drei Jahre mit geiler Bekleidung ausstatten.

Auch meinen privaten Sponsoren habe ich viel zu verdanken.

Bist Du in anderen Dingen auch so ehrgeizig und diszipliniert?

Durch den Sport bin ich in vielen Sachen sehr diszipliniert und zielstrebig. Ich habe immer den gewissen Ehrgeiz bei allem was ich mache. Das wird mir sicher auch im späteren Leben sehr weiterhelfen.

Welche „Sportlernahrung“ gibt’s an einem Renntag bei Dir? Was darf nicht fehlen?

Ich habe keine besonderen Nahrungsergänzungsmittel, die ich zu mir nehme. Bei mir ist wichtig, dass ich überhaupt was zu mir nehme. Sicher ist das auch was, was gut verdaulich ist, aber im Prinzip ernähre ich mich sehr ausgewogen.

Du hast ja auch einen eigenen Youtube-Kanal TOKO226. Ist das ein Ausgleich fĂĽr Dich, ein zweites entdecktes Hobby?

Ja, leider nimmt das aber immer sehr viel Zeit in Anspruch. Besser wäre es natürlich, jemanden zu haben, der mich filmt, haha. Aber ich denke, dass es ein guter Einblick in ein Rennwochenende von einem Profi Sportler ist.

Wer sind Deine MX-Helden national und international?

GroĂźe MX Helden habe ich nicht, da ich ja selber in einer Liga angekommen bin, wo ich gegen die MX Helden fahre. Ich schaue mir gerne alte Videos von James Stewart an. Der ist eine Legende und man fragt sich manchmal, wie man so schnell sein kann.

Letzte Frage. Was ist es, dass Dich so an Motocross fasziniert?

Adrenalin, Geschwindigkeit, Beanspruchung des Körpers und das Wichtigste, es macht unendlich Spaß. Ich genieße jede Sekunde auf dem Bike.

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