Interview – der Rote, der der immer soviel filmt = René Brückelt

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René Brückelt / Foto: Sandra Andreas

Der geborene Treuenbrietzener René Brückelt (45, Ludwigsfelde) gehört zu MX wie das Bike zum Fahrer. Wenn einer nicht aus der MX-Welt wegzudenken ist, dann ist es „der Rote“ mit Kultstatus.

Ich glaube, ich habe ihn vor ca. 18 Jahren zum ersten Mal gesehen, als er einen kleinen Werbe-Aufkleber bei einem Rennen im Fahrerlager auf unser Auto pappte. Nicht viel später kaufte sich mein persönlicher Motocrosser André eine VHS-Kassette mit einem Zusammenschnitt der Saison vom Roten. Wenn ich mich richtig erinnere, war jedes fünfte Wort „STOCKIIIIIII“. Man musste nicht raten, wer das Hauptmotiv war. ;-) Aber diese viele Arbeit und Zeit, die hinter dem ganzen Filmen steckte und noch mehr Arbeit und Zeit, das alles anschließend zum Filmchen zusammen zu basteln, macht die Leidenschaft vom Roten aus.

Hier also vorab erst einmal ein großes Dankeschön im Namen sicher sehr vieler MXer aus Berlin und Brandenburg, für Deinen unermüdlichen Einsatz und natürlich für das Interview auf www.crossbloxx.de!

der Rote

Rene, es gibt ja Unikate, MX-Begeisterte, Menschen mit purer Leidenschaft für den Sport. Zu denen gehörst Du und bist gar nicht mehr wegzudenken. Wie bist Du denn überhaupt zum Motocross gekommen? Du bist doch selbst mal gefahren, richtig?

Zum Motocross bin ich durch Heiko Schygeries seinem Bruder Roy gekommen. Er hatte sich gleich nach der Wende eine Crossmaschine gekauft, wo ich dann immer mitgefahren bin und ihn gefilmt habe. Bis er mal zu mir gesagt hat: „So Roter, jetzt fährst Du mal, sonst nehme ich dich nicht mit nach Hause.“

Dann bin ich eine Runde mit seinem Motorrad gefahren, so ca. 20 Minuten und zwei Wochen später habe ich mir dann das erste Motorrad gekauft. Eine Kawasaki.

1991: seine erste 250er

Kannst Du Dich noch an die Anfangszeit erinnern?

Na klar kann ich mich daran erinnern. Ich hatte Angst. Ich hatte noch nie eine MZ gehabt, noch nie eine Simson gehabt, noch nie bin ich Moped gefahren zu DDR-Zeiten und wie gesagt, gleich nach der Wende bin ich dann die 250er Vollcross immer nur im Standgas gefahren. Das werde ich nie vergessen!

1995: der Rote mit seiner Husqvarna 610 TC

In welcher Klasse bist Du gefahren und was waren da Deine größten Erfolge?

Ich bin zwar früher mal LM gefahren, ein paar Rennen in Jüterbog, Schenkenhorst usw., aber nur auf Platz 10, 11, 12, 15 oder so. Aber ich bin mal 2004 eine ganze Saison Bockwurstpokal mitgefahren. Ich war der einzigste, der keine Lizens hatte und bin 2004 Meister geworden, vor den ganzen Lizensfahrern die in der Open-, Clubsport- und Seniorenklasse gefahren sind. Das war ein riesen großes Starterfeld von ca. 40-50 eingeschriebenen Fahrern.

Wann und warum hast Du aufgehört?

Aufhören musste ich 2006. Ich hatte 2005 bei einem neuen Arbeitgeber angefangen. Der war privat. Dann wurde ich wegen dem Cross zweimal krank geschrieben. Beim zweiten Mal hatte ich mir den Oberarmknochen/kugel gebrochen und war beim Arzt. Als ich dann an einem Mittwoch meinen Arbeitgeber fragte, ob ich mal schnell zum röntgen fahren kann, der Unfall war am Samstag, hatten sie eine Fraktur festgestellt. Da hat der Chef dann gesagt: „Du musst jetzt überlegen, entweder Cross oder Arbeit.“ Da hab ich mich natürlich für das Arbeiten entschieden, ohne Geld kann man ja nicht überleben.

Welche Fahrer haben Dich bisher am meisten beeindruckt?

Früher waren für mich die ganzen Götter Jochen Jasinski, Dietmar Lacher, Collin Dugmore und dann natürlich Bernd Eckenbach. Dann war eine Weile Ruhe. Dann fand ich natürlich Ken Roczen, Max Nagl gut und jetzt zur Zeit Henry Jacobi, Tim und Tom Koch, alles geile Fahrer. Stefan Ekerold natürlich, mit dem ich jetzt per du bin und von der LM natürlich auch ein Top Fahrer, Toni Wolff. Er ist der Gott des Osten.

der Rote

Was ist es, das Dich so am MX-Sport fasziniert?

Am liebsten bin ich bei LM-Veranstaltungen, weil wir da alle eine große Familie sind. Das finde ich am schönsten. Das war früher zwar alles noch besser gewesen, aber es ist immer noch gut. Bei der DM ist es nicht mehr so atmosphärisch und bei der WM kannste alles total vergessen.

Wie kommt es zum Namen „der Rote“, den jeder kennt?

Ja das war 1994/95. Da war so eine Frau, Bärbel hieß sie. Und die hat mich immer der Rote genannt. „Roter komm mal her. Roter helf mal mit hier. Roter komm mal her.“ So hat das dann irgendwann jeder im Betrieb gesagt, davon ist es dann übergeschwappt in meine Familie und zum Crossplatz. Der Name kam also von einer über 50 jährigen Bärbel.

Wann und wie hast Du dann Deine Filmkarriere gestartet? Erste technische Ausrüstung?

1991/92: Roy Schygeries hat sich auch gleich eine Videokamera gekauft, und damit hab ich dann ein paar Aufnahmen gemacht. Habe ich auch schon mal hochgeladen. In Caputh hab ich das erste Rennen schon mal 1992 gefilmt. Dann bin ich ja auch selbst Cross gefahren und habe nur ein wenig uns gefilmt. Ab LM 2001/2002 hab ich dann 125er mit Danny Siromski, Stefan Schulzendorf gefilmt. Sie wissen das alle noch. So hab ich angefangen und mir einen Namen mit gemacht.

DVD´s vom Roten

Wieviel Zeit investierst Du heute in die Zusammenschnitte?

Heute dauert es sogar noch länger, als zu den Zeiten mit den VHS-Kassetten. Ich filme am Tag ungefähr so eine Stunde. Am Ende nutze ich dann zusammen ungefähr acht Minuten. Das Schneiden geht noch recht schnell, aber das Hochladen oder fertig laden und dann hochladen kann manchmal für einen acht Minuten Film an die sechs Stunden dauern. Das ist manchmal nicht so schön für meine Kinder, die wollen ja auch beschäftigt werden. Montags nach der Arbeit gegen 15.00 Uhr fange ich dann immer an und bin meistens so 21.00 Uhr fertig. Manchmal brauche ich den Dienstag auch noch.

Schon alleine die Technik hat sich unglaublich verändert seit Deinem ersten Film. Was daran beindruckt Dich am meisten?

Die Technik hat sich schon verändert. Filmen ist für mich leichter geworden und ich habe nicht mehr solche Kopfschmerzen. Früher war der Sucher ja auch noch in schwarz/weiß, jetzt ist ja ein kleiner Bildschirm dran.

Vom Bild her war mir das alles eigentlich immer eher egal, klar ist das Bild in HD-Qualität besser geworden und auch der Ton. Filmen ist auch besser und leichter geworden. Es hat mir aber früher mehr Spaß gemacht.

Wenn Du Dir alles kaufen könntest, was Du wolltest, was würde Deinen Filminventar dann wohl bereichern?

Schwere Frage. Ausrüstung gar nicht mal, ich bräuchte höchstens noch eine zweite Person, die mich unterstützen könnte und sich dann in andere Ecken stellt und da filmt. Dann könnte ich noch mehr Material zusammen bekommen. Immer das hin- und her gerenne macht mich ja Abends total kaputt. Bin ja manchmal mehr kaputt als andere vom Cross. :-)

Du bist ja gefühlt fast überall mit Deiner Kamera dabei. Wonach entscheidest Du, zu welchen Rennen Du fährst?

Ich suche mir die Rennen aus. Dieses Jahr zum Beispiel bin ich ein bisschen weniger bei der LM, weil die schnellen Klassen in der DM, Open oder 125er DM alle relativ nah in Brandenburg und Sachsen Anhalt fahren.

Also ich sag mir immer, einmal im Jahr einen weiten Weg und sonst alles was so in der Nähe ist. Wie z.Bsp. Wolgast. Das ist jetzt ein weiter Weg. Das mache ich einmal im Jahr. Also mehr wie 300 km eine Tour möchte ich nicht fahren. Ich habe zwar schon Einladungen bekommen vom MSC Höchstädt, das ich da filmen kann, aber 500-600 km fahren möchte ich nicht, auch wenn ich da umsonst reinkommen würde oder als VIP-Gast. Ich muss ja trotzdem im Auto sitzen und dahin fahren. Dann müssten sie mich schon abholen. :-))))

der Rote und Motocrosslegende Joachim Neinendorf

Wie kam es dazu, dass die Motocrosslegende Joachim Neinendorf Dir seine Videosammlung mit 70 VHS a 4 Stunden MX von 1982-2005 vermacht hat? Hast Du schon Schätzchen gefunden?

Joachim Neinendorf hat mich tatsächlich angeschrieben, dass er viel Videomaterial hat und er würde es sehr gern an mich überreichen. Er sagte, wenn er in die Kiste kommt, würde seine Familie alles nur wegwerfen und bei mir wäre es in guten Händen. Und da muss ich jetzt auch ehrlich mal sagen, ich kannte ihn noch nicht mal. Ich hatte ihn nicht auf dem Schirm. Ich kenne viele Legenden, aber ihn gar nicht. Ich kenne aber seinen Sohn, weil er bei den Senioren mitfährt. Das war mir natürlich ein bisschen peinlich, aber jetzt schreiben wir uns fast jeden Tag. Er ist wie mein Opa schon geworden und ich hab da auch einige Filme bereits hochgeladen.

Er ist ja ein Westberliner und hat schon zu DDR-Zeiten vom Ostsender DDR1 die DDR-Rennen aufgenommen. Aber das habt ihr ja sicher schon gesehen.

Wie groß ist jetzt Dein Filmarchiv? Es besteht ja aus eigenem Filmmaterial und Fernsehaufnahmen, richtig?

der Rote besitzt vier Stapel davon

Och, riesen groß. Der ganze Keller ist voll. Ca. 40 VHS Kassetten voll von dem, was ich selbst gefilmt habe, DVDs an die 20 Stück. Gott sei Dank gibt es ja jetzt Youtube, da sind meine Festplatten bestimmt an die Terrabyte voll. Film-VHS-Kassetten liegen bestimmt an die 100 Stck a 4 Stunden Aufnahmen im Keller. Ich hatte selbst ja noch so viel. Das ist schon Wahnsinn.

Was ist in Deiner ganzen Sammlung Dein persönlich interessantester Filmausschnitt?

Oh, da gibt es so viele. 2013 Jasikonis mit 14 oder 15 Jahren in Hähnchen bei der DM Open. Als er von Platz 15 nach vorne auf Platz 1 gefahren ist. Das war schon ein Erlebnis. Es gibt so viele und jedes Jahr kommt was neues dazu.

Hand aufs Herz, hast Du schon einmal einen peinlichen Moment gehabt, über den Du heute lachen kannst?

Ich bin schonmal beim filmen in so ein großes Loch reingefallen und das haben natürlich ein Haufen Leute gesehen und haben gelacht. Das war mir natürlich richtig peinlich.

Gibt es etwas, das Du im MX-Sport gern verändern würdest, wenn Du könntest?

Bei der LM würde ich die Clubsportklasse streichen, damit die MX2- und Openklassen wieder voll werden. Dafür kann dann eine Anfängerklasse eingerichtet werden, wo die Fahrer dann 1-2 Jahre fahren und sich dann aussuchen müssen, wo sie weiter mitfahren werden.

Letzte Worte

MX ist mega geil!

Kontakt-Facebook: Rene Brückelt

zu finden auf Youtube: Renè Brückelt der Rote

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