Interview mit Vollblutcrosser Helmut Mielenz – 50 Jahre MX-Geschichte

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Wenn man Helmut in Dannenberg auf seiner Strecke über den Weg läuft, weiß man, dass man ihm nichts vormachen kann. Der 68 Jährige hat seine 50jährige erfolgreiche Motocross-Karriere im vorletzten Jahr mit einem Sieg beim BarnimCup beendet. Selbst sagt er dazu: „Gedanklich hatte ich mich darauf ja schon vorbereitet, aber der Sieg bei den Classic´s war noch ein schöner Höhepunkt.“
Der in Bad Freienwalde Geborene kann auf eine mehr als erfolgreiche Zeit zurückblicken. In einem halben Jahrhundert hat er auf seinem Dachboden ca. 180 Kränze und 350 Pokale gesammelt und meint selbst, das sind nur die zweitrangigen Ehrungen und alle konnte er nicht aufheben. Früher gab es ja nur Kränze und die haben viel Platz weggenommen.


Die ganz besonderen Ehrungen hat er in seinem Wohnzimmer präsentiert. Wenn man in den Wohnbereich rein kommt, entdeckt man an jeder Wand und in jedem Schrank seine Lieblingsstücke. Der Funke springt sofort über, weil man seine Liebe zum Motocross und sein ganzes bisheriges Leben auf diesen Quadratmetern sofort erkennt. Im Gespräch erzählte er, dass er so einige seiner Geburtstage auf der Crossstrecke verbracht hat und an vielen Familienfeiern hatte nicht teilnehmen können.

Hierzu gehört u.a. auch ein Siegerteppich, der für ihn eine ganz bedeutende Rolle einnimmt. Stolz zeigte er uns diesen Teppich und meinte dazu: „Diesen hab ich beim internationalen Rennen in Wolgast gewonnen, wo ich die gesammelte Elite des Ostblocks geschlagen habe.“

1964 hat ihn das Fieber gepackt, als ihn ein Nachbar nach Wriezen zum Motocross mitgenommen hatte. Ab da hat er gespart und sich zwei Jahre später sein erstes eigenes Bike gekauft, eine MZ125ccm.

Sein erstes Rennen fuhr er bereits im gleichen Jahr in Polen, da er in der DDR noch keine Fahrerlaubnis hatte. In seiner ganzen Zeit hatte er an die 30 Bikes. Das muss man erstmal schaffen.

Auf seinem Motocrosskonto kann er ca. 800 Rennen verbuchen. Er fuhr die DDR-Meisterschaften, die Norddeutschen Meisterschaften, die Brandenburger Meisterschaften, die Deutschen Meisterschaften und auch EM und WM-Rennen.

Wenn man Helmut nach seinen größten Erfolgen fragt, weiß er gar nicht so recht, wo er anfangen soll. Hierzu zählen: „5x Bezirksmeister, 3x Brandenburger Meister, 2x Norddeutscher Meister, 5x Deutscher Meister, 3x EM dritter Platz, 1x EM Fizemeister, 1x Mannschafts WM Meister und der Sieg beim internationalen Rennen in Wolgast.“

Vor fünf Jahren wurde er mit 723 Stimmen der MOZ-Leser zum „Sportler des Jahres 2012“ gewählt, da er das Jahr sehr erfolgreich für sich bestreiten konnte. Zehn Wertungsläufe der Deutschen Meisterschaft hat er alle zu seinen Gunsten entschieden. Somit erreichte er die maximale Punktzahl und gewann die Deutsche Meisterschaft. Dazu gesellte sich noch beim europäischen Championat im Einzel und in der Mannschaftswertung der 3. Platz.


In den glorreichen Zeiten standen die Fans noch Schlange, um ein Autogramm von ihm zu bekommen. Damals gab es nur an die ca. 200 Moto-Crossfahrer in der DDR. Wenn man nachhakt, was sich bis zur heutigen Zeit in seinen Augen verändert hat, sagt er, dass es sich mittlerweile heute jeder leisten kann, das war damals anders.

Zwischenzeitlich ist der Vollblutcrosser auch mal erfolgreich Autocross gefahren. Ein Sponsor hatte gehört, dass er gerne mal Autocross fahren würde und hat ihm ein Auto zur Verfügung gestellt. „Autocross ist weniger anstrengend und ungefährlicher“, meint Helmut.

Als die schönsten Momente seiner MX-Zeit empfindet Helmut klar die Auslandsstarts mit der Nationalmannschaft zu DDR-Zeiten. Hiermit verbindet er viele schöne Erinnerungen. Wenn man mal in seiner Schublade, ach nein in seinen zwei Schubladen stöbert, kommen unwahrscheinlich viele Fotos zum Vorschein. Mir fiel die Auswahl der Bilder nicht leicht.

1967 beim MC Wriezen

Wie sagt Helmut so schön: „So auf Anhieb fällt mir nix ein, Du weißt sicher eher, was du für das Interview benötigst.“

Aber kaum hast Du ein Foto in der Hand, könnte er stundenlang erzählen und zählt dir die Namen der anderen Fahrer auf. Ich glaube, mit ein wenig Zeit an einem Lagerfeuer, kämen so die richtigen Storys erst zum Vorschein.

 

Wie diese hier:“ Meine Frau hatte damals einen Pudel. Wenn ich nicht vor dem Training mit ihm auf dem Tank zwei Runden durchs Fahrerlager gefahren bin, hat er alle Knöpfe der Verriegelung runter gedrückt und ich bin nicht mehr ins Auto gekommen.“

Auf die Frage, ob es damals Groupies gab, hat er nicht wirklich geantwortet. ;-) Wie meinte er so schön: „Es kam vor, aber eher selten.“

Gelacht habe ich, als ich ihn fragte, ob er mit seinem heutigen Wissen etwas anders gemacht hätte und spontan kam die Antwort: „Ich wäre Fußball- oder Tennisspieler geworden, aber im Motocross hätte ich alles genauso gemacht!“

Ganz hat er das Fahren natürlich noch nicht aufgegeben. Wegen seinem Herzblut zum Motocross, stellt er in Dannenberg ja auch eine eigene Strecke zur Verfügung, die er regelmäßig schiebt und pflegt. Und wenn schönes Wetter ist, dreht er selbst noch ein paar Runden mit einem seiner drei Bikes (Honda 250ccm 2 Takt, Honda 300ccm 4 Takt und Cz 400 2 Takt classis), die er noch behalten hat.

Helmut, der in den 50 Jahren so viel MX gefahren ist, freut sich darüber, dass er auch heute noch oft den Respekt der aktiven Fahrer spürt.

Und als ich ihn nach den letzten Worten für das Interview fragte, kam eine so schöne Antwort: „Persönlich wünsche ich mir, dass ich noch lange in der Lage bin, meine Strecke in Dannenberg zu erhalten.“

Und dafür hat er erstmal noch aufgerüstet und sich einen riesigen Radlader angelegt, den er uns stolz präsentierte.

Ich bedanke mich recht herzlich bei Helmut, dass ich seine Trophäen ansehen dürfte und durch Fotos wühlen konnte und hoffe, wenn wir mal wieder da sind, ein paar Geschichten von ihm zu hören… .

Helmut Mielenz zusammen mit Hartmut Kunkel

3 Kommentare

  1. seit mich mein vater das erste mal mit zu den rennen genommen hat in den frühen 1980er jahren, war da immer dieser coole schwarzhaarige mann…helmut mielenz mit seiner frau und dem verrückten pudel… und sogar heute noch, nach fast 30 eigenen jahren im mx-rennzirkus kann man noch paar tricks von ihm lernen..

    da gibts auch die kleine story von einem meiner ersten rennen bei helmut in dannenberg … wir standen alle am startgatter, das helmut persönlich bediente. dabei stand seine cr500 daneben angelehnt am geländer… wir sind gestartet und nach ca 3 runden kam helmut dann vorbei, hat das komplette fahrerfeld überholt und auch noch als 1. durchs ziel… für ihn zwar ohne wertung, weil er den jungs nicht die pokale wegnehmen wollte, aber einfach der hammer… ;o) … von diesem biss hat er bis zu seinem letzten rennen nichts verloren… ich hoffe das helmut dem sport noch sehr lange erhalten bleibt.. m. kopp

  2. Doreen Reinholz on

    Helmut habe ich vor 9 Jahren kennen gelernt. Er fragte damals meinen Mann, ob die Mutti (also ich 😂) auch fahren möchte. Damals wußte ich nicht, dass ich zu diesem Zeitpunkt schwanger war. Und ja, ich bin gefahren. Naja…nur auf der Kinderstrecke. Ein paar Jahre später nahm er mich in den Arm und gratulierte mir zu dem Bergaufsprung. Ich bin bis heute noch super stolz und habe höchste Achtung vor Helmut und seine Leistungen. Vielen Dank für das Interview. MuttaX

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