Interview #257 Ronny Borch

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Nachdem der Luckauer verletzungsbedingt die letzte Saison eher aussetzen musste, stehen die Chancen gut, dass wir von ihm dieses Jahr mehr sehen werden. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Saison mit Ronny und dass er seine Ziele verwirklichen kann.

Vielen Dank für das Interview, Ronny!

2016

Foto: Motocrosspics

Spitzname im Fahrerlager?

Einfach nur Ronny.

Wie jung bist Du und wo lebst Du derzeit?

Ich bin 28 Jahre jung und lebe seit vier Jahren im schönen Städtchen Luckau.

Bike: Kawasaki KX450F

Kontakt-Facebook: Ronny Borch

Verein: MSC Luckau im ADAC

Team: Kawa East

Sponsoren und Partner:

MBJ – Metallbau Janischefsky, Elektroinstallation Olaf Lachmann GmbH, Kawa East, Bodyfit Luckau, Motocrosspics.de, DVAG Bert Eckert, Behnke Motorgeräte, Kyle Reim Photography

ErstesRennen1996Lucka

1996: Erstes Rennen beim MSC Luckau

Seit wann fährst Du schon und wie hat alles angefangen?

Das erste Mal habe ich mit sechs Jahren auf dem Motorrad gesessen. Mein Vater interessierte sich schon immer für Motocross und war oft als Zuschauer bei den Rennen in der Umgebung. Er fuhr damals selbst auf einer umgebauten RT 125ccm, aber nur zum Spaß. So nahm dann alles seinen Lauf…

50ccm

Erstes Rennen von Ronny.

Kannst Du Dich noch an Deine allererste Fahrt erinnern?

Oh ja, meine erste Fahrt war in einem ehemaligen Tagebaugelände. Mein Vater sagte zu mir, dass ich nicht in den tiefen Sand fahren soll. Das hatte ich wohl unter dem Helm nicht richtig verstanden. Ich fuhr natürlich in den tiefen Sand und stürzte. Eine Woche später habe ich dann mit verbundenen Arm die Zuckertüte bei der Einschulung gehalten (lacht).

65

1998: Saison mit der 65er

Welche Meisterschaften bist Du schon gefahren und was waren Deine bisher größten Erfolge?

Neben der jährlichen Landesmeisterschaft Berlin-Brandenburg, fuhr ich den DMSB Pokal, einige DM Rennen, LVMX, Sachsen Masters sowie etliche Rennen in Polen und Tschechien. Rein vom Titel her war der Mannschaftsmeistergewinn 2012 mit Toni Wolff und Tobi Linke der größte Erfolg. Ein 5. LM Open Gesamtplatz auf meiner Heimstrecke und die danach folgende feste Umarmung meiner Eltern bleibt mir auch in Erinnerung.

MM-Parmen2012

MM-Parmen2012 – Teamfoto nach dem Titelgewinn / v.l. Toni Wolff, Tobias Linke, Tom Große, Ronny Borch

Zudem gab es viele gute Einzelplatzierungen mit denen ich sehr zufrieden war. Gefreut habe ich mich aber auch über die Auszeichnung der Stadt Luckau als Elitesportler.

SportlerAuszeichnungLuckau
Welcher davon war bisher Dein persönlich wichtigster Erfolg oder hat dich am meisten geprägt?

Sicherlich hat mich am meisten geprägt, als ich anfing mich um alle Dinge selbstständig zu kümmern, die den Sport umfassen. Es ging also nicht mehr nur darum aufs Motorrad zu steigen und zu fahren. In der Kindheit haben mir meine Eltern so ziemlich alles abgenommen.

Vater-SohnGespräch

Vater-Sohn-Besprechung

Dabei spreche ich nicht allein von der finanziellen Unterstützung. Mein Vater bereitete stets das Bike zum Fahren vor und meine Mutter kümmerte sich immer wieder aufs Neue um die dreckigen MX-Klamotten. Für diese Unterstützung kann man sich nie genug bedanken!

31.10.2001mum

2001 MSC Luckau, Ronny mit seiner Mum

Bist Du zufrieden mit der letzten Saison? Was waren Deine Highlights?

Die 2016er Saison war für mich leider zu Ende, bevor sie begann. Anfang Februar hatte ich einen Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule, der erst nicht diagnostiziert wurde. Also fuhr ich weiter, bis ich kaum noch laufen konnte.

Anstatt die Zeit auf den Rennstrecken zu verbringen, war ich nun damit beschäftigt meinen Rücken wieder hinzubekommen.

Welche Ziele hast Du Dir für diese Saison 2017 auf die Fahne geschrieben?

In erster Linie möchte ich wieder ohne Schmerzen Motocross fahren können. Ein direktes Saisonziel gibt es somit nicht. Mir ist es wichtig, verletzungsfrei durch die Saison zu kommen und mein Bestes in den Rennen zu geben.

Gibt es noch etwas auf Deiner MX-ToDo-Liste, das noch offen ist?

Ich wollte schon immer mal beim Teterower Bergringrennen mitfahren. Dieses Jahr wird sich dieser Wunsch aller Voraussicht nach erfüllen.

Zum anderen wäre es schön, meine Nichte (5) und meine beiden Neffen (4) bei einem Rennen am Streckenrand anzufeuern.

Hast Du ein Vorbild? Neben wem würdest Du gern mal am Startgatter stehen?

Spontan würde ich jetzt Jeffrey Herlings sagen. Meiner Meinung nach ist er der beste Sandfahrer weltweit. Wenn er einen schlechten Tag hat, würde er mich vielleicht nur zweimal überrunden. Haha…

Ronny mx-move

Foto: MXMOVE.de

Wenn Du zehn Jahre weiter denkst, wo würdest Du Dich da gern sehen?

Vielleicht bin ich dann Vater eines Sohnes und unterstütze ihn an der Rennstrecke, mal abwarten… Auf jeden Fall möchte ich auch weiterhin aktiv im Vorstand des MSC Luckau arbeiten.

Mit Deinem heutigen Wissen, hättest Du in Deinem MX-Leben etwas anders gemacht?

Ich hätte in meiner Jugend härter trainieren sollen und mehr Zeit auf dem Bike verbringen müssen. Um ehrlich zu sein, habe ich den Sport erst so richtig mit 18/19 Jahren ernst genommen. Das ist zu spät. Mittlerweile habe ich mit Lukas Morgen (MX2) und Nico Strauch (65ccm) zwei Fahrer vom MSC Luckau, die ich beim Training unterstütze und versuche, Sie mit meinem Wissen vor denselben Fehlern zu bewahren.#

2013

Foto: 2013 – Kyle Reim Photography

Gibt es einen Moment in Deiner MX-Zeit, der Dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gab zu viele schöne Momente, um es an einem bestimmten festzumachen. Ich mag es einfach zu reisen und immer wieder etwas anderes zu sehen.

Kannst Du Dich an eine peinliche Situation im Fahrerlager erinnert, worüber Du heute lachen kannst?

Oh ja, 2012 war ich mit Dominik Schunke im tschechischen Třemošnice zum Rennen. Es hatte dort die ganze Nacht durchgeregnet und so wurde die schöne Naturstrecke aus Lehm zu einem richtigen Acker. Wir ließen das Training aus und fuhren erst in der Qualifikation. Auf jeden Fall verschätzte ich mich bei der Boxeneinfahrt und rutschte in den früheren EMX Champ Petr Bartos rein, den ich voll abräumte. Er fand es nicht so schlimm, aber mir war das sehr peinlich.

Was packst Du zum Rennen ein, was nie fehlen darf?

Mein langjähriger Mechaniker Micha darf nicht fehlen. Wenn er mal nicht dabei ist, fahre ich schon mit einem komischen Gefühl zum Rennen.

2016-Polen

Foto/ Crossbloxx.de/Koepi Pictures

Derzeit ist ja Offseason. Was bedeutet das für Dich? Zeit zum Durchatmen oder eher genervtes abwarten, dass es endlich wieder los geht? ;-) Wie bereitest Du Dich auf diese Saison vor?

Am Anfang freue mich schon etwas durchatmen zu können und mal Zeit für andere Sachen zu haben. Aber nach der Saison ist bekanntlich auch vor der Saison, und so geht das Kraft- und Konditionstraining eigentlich nahtlos weiter. Ich trainiere fünfmal die Woche. Neu in der Vorbereitung ist das „TRX Workout“, was gut für die Stabilität meines Rückens ist. Dieses Training mache ich montags, mittwochs und donnerstags, zusätzlich nehme ich mittwochs und donnerstags nach diesem Training noch an einem Kurs im Fitnessstudio teil. Freitags gehe ich joggen oder Fahrradfahren, manchmal auch Volleyball spielen. Jeden Samstagabend in der Offseason steht ein spezielles Konditionstraining über zwei Stunden an. Dieses wird von unserem Club angeboten und es kommen meist 15-20 Motocrosser zusammen, um gemeinsam zu trainieren. Das Training ist immer sehr anstrengend, sodass der Ruhetag am Sonntag auch notwendig ist…

Gibt es etwas, dass Du gern im MX-Bereich ändern würdest, wenn Du könntest?

Da gibt es einige Baustellen. Es ist schon eine Kunst, wie es der DMSB geschafft hat, die DM zu ruinieren. Für viele Fahrer oder Veranstalter sind nationale Prädikatsläufe einfach uninteressant geworden. Das betrifft nicht nur die DM, sondern auch den DMSB Pokal Manchmal standen nicht mal zehn Fahrer am Startgatter… Ohne Worte…

Zum anderen würde ich mir wünschen, dass der Sport auch die Aufmerksamkeit und Wertschätzung erhält, die er verdient! In Deutschland würde eher ein 8. Liga Fußballspiel live übertragen werden, als eine kurze Zusammenfassung eines Motocross-Rennens. Traurig aber wahr!

Letzte Worte:

Auf diesem Weg möchte ich mich bei allen bedanken, die mich schon seit vielen Jahren unterstützen und begleiten!

Natürlich möchte ich mich auch bei dir für das Interview bedanken und wünsche allen Fahrern eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison. Bleibt gesund und habt Spaß am geilsten Sport der Welt!

27.5.96

1996: Erstes Rennen auf einer 50er (2.Platz)

Bildquellen:

Titelfoto – Kyle Reim Photography

 

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