Interview #121 Christian Tietz

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Heute: …wie ein Brandenburger in den Westerwald zog um Sarholz-KTMs zu verkaufen und das Sarholz-Rennteam zu unterstützen …

Vielen Dank Christian, für das Interview!

 

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Foto: KTM Sarholz

Unter welchem Namen kennt man Dich im Fahrerlager?

In Brandenburg nennen mich die meisten Jungs nur „Tietzi“.

Hier bin ich hauptsächlich unter „Icke“ bekannt, was wohl an meinem Berliner Dialekt liegt.

Wie jung bist Du und wo lebst Du derzeit?

Ich bin 36 Jahre alt und wohne im Westerwald.

Bike: 350 SX-F und 450 SX-F

Kontakt-Facebook: Christian Tietz

Team: KTM-Sarholz Racing Team

Sponsoren und Partner: KTM Sarholz

Du arbeitest ja bereits seit Februar 2008 als Verkäufer/Berater bei KTM Sarholz. Wie kam es dazu, dass Du als Brandenburger nach Rheinland-Pfalz gezogen bist?

Damals suchte Burkhard Sarholz in einem Crossmagazin jemanden, der seinen KTM-Laden führen sollte. Er selbst war zum damaligen Zeitpunkt noch in seinem Honda-Laden im Nachbarort tätig. Wir lernten uns kennen und die Chemie passte einfach.
Ich kündigte meinen damaligen Job, der auch okay war, aber ich suchte eine neue Herausforderung und zog daraufhin in den Westerwald.
2010 kündigten wir den Hondavertrag und machten aus zwei Geschäften eins, dadurch haben wir nun alles unter einem Dach.

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Foto: KTM Sarholz

Wenn Du nicht gerade gut im Verkauf zu tun hast, welche Funktionen hast Du noch im Sarholz-Team?

Bis letztes Jahr waren Burkhard Sarholz und ich auf uns alleine gestellt, was das Organisatorische angeht. Seit letztem Jahr haben wir Andre Sarholz (Enkel) mit im Boot. Zusammen haben wir viel Kontakt zu Fahrern, Sponsoren und müssen uns um Teambestellungen wie Bekleidung, Dekore etc. kümmern. Burkhard Sarholz lässt uns dabei viele Freiräume. Natürlich wirft er immer nochmal gern einen Blick über alles, aber wir ergänzen uns da alle recht gut und jeder unterstützt jeden.

Was war anfangs die größte Herausforderung?

Puuhhh…das ist schwer zu sagen…ich glaube generell die ganze Arbeitsaufteilung. Wir sind nicht nur ein Vollzeit-Rennteam, sondern verkaufen auch viele Motorräder. Diese Vielseitigkeit war am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig.
Das Material was beim Hersteller geordert wird, sind ganz andere Mengen als ich es gewohnt war. Zum Beispiel dachte ich, dass es ein Druckfehler war, als ich das erste Mal 30 Kupplungen oder 100 Plastiksätze für das Rennteam bestellen sollte. Das hat sich aber schnell gelegt, weil man solche Bestellungen mehrmals im Jahr aufgibt.

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Foto: KTM Sarholz

Wie fühlt man sich so im „Rennstall“, wenn man direkt am Geschehen arbeitet und diversen Fahrergrößen wie Angus Heidecke, Dennis Ullrich, Sebastien Pourcel, Marcus Schiffer, Henry Jacobi usw. begegnet? Da kann der Job, egal wie stressig, ja eigentlich auch nur Spaß machen oder?

Im Prinzip sind alle Fahrer recht umgänglich…Klar, manche Fahrer sind pflegeleicht und andere nicht, aber auch die haben wir erzogen bekommen. ;)

Collin Dugmore lebt ja bekanntlich bei Euch im Ort. Trifft man sich dann zufällig beim Bäcker oder kennt Ihr Euch auch privat?

Hahaha…ja Collin hat den gleichen Bäcker wie ich, da lässt es sich nicht vermeiden ihn dort zu treffen. Außerdem ist er locker drauf. Wenn man einen über 40-jährigen Mann durch den Ort mit nem BMX fahren sieht, kann es nur einer sein…;-)
Er ist aber auch oft im Geschäft oder in der Werkstatt bei uns anzutreffen.

Was hat Dich in all den Jahren bei KTM Sarholz am meisten beeindruckt, was wird Dir immer in Erinnerung bleiben?

Die nie endende Begeisterung für Motocross vom Chef. Obwohl regelmäßig diverse Titel eingefahren werden, steht das Rad hier nie still.

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Foto: KTM Sarholz

Sicher erfährt man Neuigkeiten mit als erster und darf natürlich nicht darüber reden, bis sie presseöffentlich sind. Wie schwer fällt es Dir, nichts zu verraten? ;-)

Das ist eigentlich kein Problem, meistens wird es eh direkt danach offiziell.

Wenn Du dann mal auf Heimaturlaub in Brandenburg bist, wie sehen da Deine Pläne aus. Was steht als erstes auf der To-Do-Liste?

Eltern, Freunde und Familie sehen natürlich.
Manchmal bringe ich mir ein Motorrad mit und gehe dann mit Kumpels fahren. Der brandenburgische Sand lockt mich doch sehr.

Eigentlich setze ich mir immer einmal im Jahr das Ziel, einen Lauf zur LM Berlin-Brandenburg anzusehen, um zu gucken wie die Entwicklung da so ist.

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Foto: KTM Sarholz

Lässt die wenige Freizeit es noch zu, selbst noch aktiv zu fahren? Wenn ja, auf welchen Strecken trifft man Dich dann an?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe meine Aktivitäten beim Rennteam etwas zurückgestellt. Ich fahre eben am Wochenende lieber selber Rennen. Dazu habe ich mir vor zwei Jahren noch Mal ein Wohnmobil gekauft. Hier fahre ich beim ADAC Hessen/Thüringen-Cup, beim MSR oder Hessencup ein bisschen mit.

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img_20161227_0010Seit wann fährst Du selbst und wie hat alles angefangen? Kannst Du Dich noch an Deine allererste Fahrt erinnern?

Angefangen mit Motocross habe ich 1993, davor bin ich Kart gefahren. Mein Vater hat mich damals dazu gebracht. Es hat einfach Spaß gemacht. Wahrscheinlich, weil er mich auch nie unter Druck gesetzt oder mir beim Fahren Stress gemacht hat.

15782399_1217076091663563_1738490722_nWelche Meisterschaften bist Du schon gefahren und was waren Deine bisher größten Erfolge?

Früher mit meiner 80ccm-Maschine bin ich eigentlich so gut wie alles gefahren, einige DM Läufe, DJMV (damals noch mit Marco Dorsch, Lucas Weis und Thomas Mock) und Ähnliches. Später nahm ich an der LM Berlin-Brandenburg teil, startete aber auch bei einigen Rennen zur Sachsen-Anhalt-Meisterschaft.

15749984_1217076061663566_1531485899_nWelcher davon war bisher Dein persönlich wichtigster Erfolg oder hat Dich am meisten geprägt?

Bis 2005 war ich eigentlich mit meiner Entwicklung beim Motocross ganz zufrieden. Mir war klar, dass ich nie der Überflieger werden würde.

Leider hatte einer meiner besten Freunde damals einen schweren Unfall, was mein Leben ziemlich verändert hat, sodass ich viel mit angezogener Handbremse fuhr und teilweise auch noch fahre. Der Spaß steht für mich im Vordergrund und nicht irgendwelche Pokale oder Erfolge. Wenn ich mich mal nicht gut auf dem Bike fühle, dann wird eben auf riskante Sprünge oder Überholmanöver verzichtet.

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Foto: KTM Sarholz

Kannst Du Dich noch an eine Fahrerlagerpeinlichkeit erinnern, über die Du heute gut lachen kannst?

Ich selber nicht. Allerdings gab es da eine Situation vor ein paar Jahren beim DM Lauf in Kamp-Lintfort. Lars Reuther war bei uns im Team und sein Mechaniker hatte an diesem Wochenende keine Zeit. Er bat mich, ihm seine Platzierung auf dem Pitboard anzuzeigen. In der letzten Runde erlaubte ich mir einen Spaß mit ihm und zeigte ihm die Zahl „3600“ an. Lars fuhr vorbei, las meine Nachricht, schüttelte den Kopf und fuhr vor Lachen fast in den Fangzaun hinter der Helferbox.

Der Hintergrund zu der Story ist, Lars seine Teilnahme an einer Quizshow im TV. Er trat gemeinsam mit anderen Crossern gegen Golfer an. Er bekam eine Frage gestellt und antwortete, wie aus der Pistole geschossen mit „3600“. Wir haben ihn vorher im Fahrerlager schon damit aufgezogen.

Zum Glück hat er im Rennen dadurch keine Position verloren, aber er fand es hinterher auch sehr amüsant.

Gibt es noch etwas auf Deiner MX-ToDo-Liste, das noch offen ist?

Ich würde gerne mal in Glen Helen (USA) fahren.

Wenn Du zehn Jahre weiter denkst, wo würdest Du Dich da gern sehen?

Bei den Ü45 Meisterschaften mit meinem alten Freund Frank Zeller.

Mit Deinem heutigen Wissen, hättest Du in Deinem MX-Leben etwas anders gemacht?

Anders gemacht sicherlich nicht, aber man sieht viele Sachen einfach aus einem anderen Blickwinkel, wenn man Tag für Tag damit zu tun hat.

Gibt es ein Moment beim MX, der Dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Wir waren vor ein paar Jahren beim German Cross Country mit Kornel Nemeth und Samuli Aro. Samuli ist mehrfacher Enduro Weltmeister. Die Strecke war noch nass und extrem schlammig. Samuli wollte gern vor Ort eine Gripper Sitzbank, aber die Mechaniker hatten keine bei. Er griff sich den Akkuschrauber, bohrte Löcher in die nagelneue Factory Sitzbank und baute sich mit Spannbändern Haltepunkte.

Im Rennen selber lag er auf Platz 2, ohne Chance auf den Sieg mit 30 Sekunden zurück. Als die Uhr nur noch 20 Minuten anzeigte, begann es erneut heftig zu regnen. Die Strecke wurde wieder rutschiger und gefährlicher. Samuli machte das alles nichts aus und zog ordentlich am Gas. Er holte den Rückstand auf und gewann das Rennen vor der Werks-BMW. Als er nach dem Rennen den Helm absetzte, grinste er und meinte: „Yes! This is my weather.“
Das war sehr beeindruckend, besonders weil er nicht die typisch durchtrainierte Figur von einem Profisportler hat.

img_20161227_0006-neuWürdest Du gern was im MX-Bereich ändern, wenn Du könntest?

Natürlich vergleicht man wie viele andere Fahrer auch, die schon lange im MX-Geschehen vertreten sind, die heutige Zeit oft mit der, in der man mit Motocross angefangen hat. Früher war eigentlich jeder für jeden da. Es gab keine Arroganz untereinander und man half sich gegenseitig. Die Prioritäten wurden ganz klar nur aufs Fahren gelegt.

Heutzutage beobachtet man Kinder, die anfangen zu weinen oder bockig sind, wenn der Vater das Fahrwerk nicht beim Tuner hatte oder wenn die Klamotten Rot anstatt Gelb sind. Das finde ich ein bisschen schade.

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Letzte Worte:

Ich würde mich einfach freuen, wenn alle Jungs und Mädels die den Sport ausüben, das auch aus Überzeugung machen und einfach Spaß am Fahren haben. Dabei sollen natürlich alle heil bleiben und dafür auch mal den persönlichen Erfolg hinten anstellen, denn jede Verletzung wirft einen auch wieder zurück. Trotzdem sollte man nie aufgeben und seine Ziele verfolgen!

 

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