Speedway-Ass und Gelegenheitscrosser Christian Hefenbrock im Interview

0

An diesem Samstag, den 06.08.2016, findet das Speedway Flutlichtrennen in Ludwigslust statt. Da auch unser Speedway-Ass Christian Hefenbrock zusammen mit vielen anderen nervenstarken Fahrern zur Freude des MC Ludwigslust teilnimmt, hatte ich gleich mal einen Anlass für ein Interview mit ihm. Wer also noch nichts geplant hat, wird unseren Brandenburger live in Action sehen. Und da er als Ausgleich und Training Motocross fährt, passt es doch perfekt!

Vielen Dank, Christian, fĂĽr das sympathische „Speed-Interview“!

Profilbild Christian Hefenbrock

Foto: AK Antonia Kleine

Spitzname: Hefe

Wie jung bist Du? 31 Jahre

Wo lebst Du derzeit? bei Wittstock/Dosse

Webseite: www.hefenbrock-speedway.de

Facebook: Christian Hefenbrock Speedway

Bike Speedway: Stuha/GM 500ccm

Bike Motocross: KTM SXF 350 (2015)

Partner/Sponsoren:

JB-GERMAN OIL, daytona Schuhfabrik, Funtastic Gesundheitszentrum, Mario´s-Motorrad-Shop, Malerteam Wolter&Böttcher

Lieblingsstrecke Speedway:

Malilla/Schweden

Lieblingsstrecke Motocross:

Malchow und Ludwigslust

Lebensmotto:

Niemals aufgeben…! „winners never quit – quitters never win…“

Christian Hefenbrock MX 4

Foto: C. Hefenbrock / Papa und Sohn

Dein Papa ist ja schon zu DDR-Zeiten Speedway gefahren und mit elf Jahren hast Du Deine ersten Runden in Wittstock gedreht. Kannst Du Dich noch an Deine Fahranfänge erinnern?

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, auch wie aufgeregt ich war. Ich kann mich erinnern, dass wir damals oft zusammen auf der Bahn waren und uns sogar einmal im Kurveneingang verhakt haben und zu Boden gingen. Aber keiner war dem anderen anschliessend böse. :D

Ich habe viel von meinem Vater gelernt und er ist der einzige Mensch, zu dem ich vollstes Vertrauen habe. Beim Rennen können wir sogar weitestgehend per Blick kommunizieren und arbeiten blind wie ein Uhrwerk zusammen. Für seine aufopfernde Art und bedingungslose Hilfe bin ich sehr dankbar. Ohne ihn wäre ich nicht dort, wo ich bin.

Christian Hefenbrock Speedway 1

Foto: Christian Hefenbrock

Christian Hefenbrock Speedway Anfänge

Welche groĂźen Erfolge sollten unbedingt auf Deiner aktuellen Speedway-Karriereliste stehen?
  • Bronzemedaille U-21 Weltmeisterschaft 2006
  • Bronzemedaille Europameisterschaft (Senioren) 2006
  • Deutscher Meister (Senioren) 2006
  • einige Male U-21 Deutscher Meister
  • Laufsieg beim Speedway Grand-Prix von Deutschland / Veltins Arena 2007
  • 3 Mal Deutscher Mannschaftsmeister 1. Bundesliga
  • Gewinner des goldenen Bandes von Pardubice /Tschechien 2006
  • 5. Platz Finale des Goldhelmrennens in Pardubice 2007
  • Polnischer Mannschafts-Vizemeister Extraliga Czestochowa 2007
  • Schwedischer Mannschaftsmeister Eliteliga Malilla 2007
  • Englischer Mannschaftsmeister Elite League mit Poole Pirates 2011
  • Pfingst-Pokal Sieger GĂĽstrow 2014

…das sind die wichtigsten, die mir spontan einfallen…

Christian Hefenbrock_Frank Hedrich Photographie

Foto: Frank Hedrich Photographie

Welcher davon war für Dich persönlich der wichtigste Erfolg?

Die Bronzemedaille bei der U-21 WM ist schon die wichtigste und emotionalste.

Die Erfahrung beim Grand Prix und der Gewinn des Goldenen Bandes sind ebenfalls sehr bedeutsam. Es sind Momente, an die ich mich fast täglich erinnere und die mir immer noch gelegentlich Gänsehaut verschaffen.

Was hast Du Dir fĂĽr diese Saison vorgenommen und was willst Du unbedingt noch erreichen?

Allerhöchste Priorität ist es, verletzungsfrei durch die Saison zu kommen. Ich würde sehr gerne zu meiner alten Form zurück gelangen, um mich wieder in den weltbesten Ligen etablieren zu können.

Das Goldhelmrennen in Pardubice steht ebenfalls ganz oben auf der Liste, dort wĂĽrde ich mich gerne in der Platzierung verbessern.

Christian Hefenbrock FK93-Photography

Foto: FK93 Photography

Dein Verletzungskonto ist ja leider auch kein unbeschriebenes Blatt mehr. Dazu kam der Schreckensmoment letztes Jahr in Wolfslake. Wie steckst Du das alles immer mental weg?

In den 20 Jahren Speedway-Rennen habe ich insgesamt 29 Knochenbrüche auf dem Konto. Es mag sich paradox anhören, aber ich habe den Eindruck, als würde man sich daran gewöhnen… Zumindest entwickelt man ein sehr geringes Schmerzempfinden. Mental ist es da schon etwas schwieriger. Ich denke, es liegt an starker Willenskraft und Ehrgeiz sowie Disziplin, sich nach so schweren Verletzungen immer wieder aufzurappeln. Gerade wenn keiner mehr an dich glaub oder du abgeschrieben bist, was im Sport sehr schnell geht, möchte man es nicht nur sich selbst beweisen. Alles Schwierige ist für mich Extra-Ansporn.

Wann und wie kam es dazu, dass Du auch Motocross fährst? Was waren hier Deine größten Erfolge?

Motocross ist eine der anstrengendsten Sportarten, die es gibt und bietet für mich eine ideale Alternative, um mich körperlich höchstmöglich fit zu halten. Ich habe mir 2015 eine 250er Husqvarna zugelegt, bin aber nur selten zum Fahren gekommen, was sich dieses Jahr mit dem neuen „Baby“ (KTM SXF 350) ändern soll.
Einige meiner Kumpels teilen mit mir diese Leidenschaft und ich geniesse die entspannte Atmosphäre sowie die lockeren Leute beim MX.

Mein größter Erfolg beim Motocross war erst letztes Wochenende, als ich einen ganzen Trainingstag ohne Bodenprobe überstanden habe, hahaha…

Christian Hefenbrock MX 3

Foto: Christian Hefenbrock

Eine Frage, die mich bei Dir am meisten interessiert: Tiefsand oder Hartboden?

Hartboden

Wo siehst Du die größten Unterschiede zwischen Speedway und Motocross? Kannst Du hier Erfahrungen aus den jeweiligen Bereichen nutzen?

Der größte Unterschied ist sicher das Springen, was mein großes Manko ist. Für einen MX-Fahrer wäre mit Sicherheit das Nichtvorhandensein von jeglichen Bremsen am ungewöhnlichsten.

Christian Hefenbrock MX

Foto: Christian Hefenbrock

Gibt es auch Parallelen in diesen Sportarten oder ist es eher nicht vergleichbar?

Vom reinen Fahren unterscheiden sich die Sportarten enorm, es ist lediglich die steigernde Fitness und das Abhärten, was man sich beim MX zu Nutze ziehen kann, denke ich.

Welcher Sport ist gefährlicher?

Ich denke Speedway in gewisser Weise – durch den Highspeed und die fehlenden Bremsen, aber wahrscheinlich nimmt es sich nicht viel…

Christian Hefenbrock_Franziska Pohlenz

Foto: Franzi P.

Wie lange hält die Technik? Wo gibt es mehr Verschleiß?

Die Technik beim Speedway ist enorm anfällig und hält nicht ein Zehntel solang wie beim Motocross. Es wird z.B. nach umgerechnet 30 Minuten reiner Fahrtzeit der Motor revidiert, Kupplungsscheiben nach jedem Rennen ersetzt und ein Reifen nach gerade mal vier Runden getauscht.

Kommendes Wochenende, am 06.08.2016, nimmst Du ja am Speedway-Flutlichtrennen in Ludwigslust teil. Was meinst Du, was Dich da erwarten wird?

Es ist schön, dass in Ludwigslust wieder Rennen stattfinden. Ich habe als Jugendfahrer sehr viele Rennen dort absolviert und habe gute Erinnerungen daran. Ich bin mir sicher, dass mich alte Freunde des Vereins dort erwarten. Ansonsten hoffe ich natürlich auf eine schöne Veranstaltung mit fairen Fights auf der Bahn.

Sieht man Dich dann auch auf der After-Show-Party?

…wenn es nicht zu kalt wird. :D

Christian Hefenbrock MX 2

Foto: Christian Hefenbrock

Wie sehen die kommenden Wochen bei Dir aus? Ist Urlaub geplant?

Im Speedway wird Spontanität groß geschrieben, das heißt, man kann jeden Tag einen Anruf bekommen, um irgendwo eingeladen oder gebucht zu werden Also versuche ich möglichst viele Rennen anzunehmen. In Sachen MX möchte ich mich bei meinem allerersten Rennen als Gastfahrer in der Clubsport-Klasse am 21.08. in Malchow versuchen…Ziel ist es hierbei, durchzukommen. :P

Geplant sind ein bis zwei Tage Kurzurlaub an der Ostsee in WarnemĂĽnde im August.

Gab es mal einen peinlichen Moment in Deiner Karriere, ĂĽber den Du heute lachen kannst?

Ich habe mal bei einem Crash die Fußraste in den Hintern bekommen und musste den Rest der Woche auf einem zusätzlich auf dem Sattel montierten Sofakissen die Rennen fahren. Das war recht peinlich.

Dann habe ich mal beim schwedischen Ligarennen (11.000 Leute im Stadion) einen Gasklemmer gehabt, wo ich einen ziemlich lustigen Rodeoritt im Innenfeld hingelegt habe und mir dann mit einem beherzten Griff an den Kerzenstecker (bei Vollgas) einen Stromschlag inklusive neuer Föhnfrisur zugezogen habe. Das Ganze unter lautem Gelächter der Massen.

Möchtest Du den Anfängern noch etwas mit auf den Weg geben?

Ja. Was mir beim MX aufgefallen ist und weswegen ich an alle Anfänger und deren Elternteile appellieren möchte: Spart nicht an Schutzkleidung. Knieorthesen, ein guter Sturzhelm und Rückenprotektor sind unumgänglich und haben mir in meiner Laufbahn mehrfach das Leben gerettet. Ich sage immer: Lieber safe als sorry.

Letzte Worte:

„make love – not war!“

Vielen Dank für die tolle Möglichkeit bei CrossBloxx.de.

Logo Christian Hefenbrock

Leave A Reply

*