Interview Benjamin Kramer von Kamerafliegt.de

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Wer steckt hinter Kamerfliegt.de? Kein anderer als der Drohnenpilot Benjamin Kramer. Die MX-Videos haben es uns angetan und da sind wir neugierig geworden und haben mal hinter die Kulissen geschaut.

Vielen Dank Benni fĂĽr das Interview und wir sind auf weitere Projekte von Dir gespannt!

Portrait Benjamin Kramer Kamerafliegt

Benjamin Kramer / Kamerafliegt.de

Unter welchem Namen kennt man Dich?

Benjamin Kramer, aber die meisten nennen mich Benni oder „Ach du bist der Typ von Kamerafliegt.de“

Wie jung bist Du?

28 Jahre

Wo lebst Du derzeitig?

Ich lebe in Hoyerswerda.

Logo Kamerafliegt.de
Kontakt Facebook:

Benjamin Kramer

Kamerafliegt.de

Internet:

www.Kamerafliegt.de

Wie und wann bist Du auf die Idee fĂĽr die MX-Videos mit der Drohne gekommen?

Das Ganze fing ca. 2010 mit dem Modellflugsport an. Dadurch kam ich ĂĽberhaupt erst auf das Thema „Multicopter“. Als mir die ersten Motive auf dem Modellflugplatz nicht mehr ausreichten, musste was anderes her. Dadurch kam ich dann zur MX-Strecke „Zum Wipfelgucker“ in Boxberg und zum Kollegen R. Schmidt.

Erst durch ihn nahm dann alles Fahrt auf. Bis dato gab es für mich nur Luftaufnahmen. Mit dem Filmen am Boden hatte ich mich kaum bis garnicht beschäftigt.
Ohne ihn wäre ich heute auch nicht da, wo ich jetzt bin. Er gab mir für zwei Jahre sein ganzes Equipment. Dazu gehörte eine Kamera, ein Slider und ein Kamerakran.
Ich bin dann meistens ĂĽberall kostenlos hingefahren und habe gefilmt. Manchmal hat er geschnitten und manchmal ich. Anfangs hatte man nicht mal mehr Bock auf das Schneiden, weil das Gefilmte einfach nur schlecht war.
Auch wenn er es manchmal nicht so umsetzen konnte, hat er mir immer die richtige Richtung gezeigt und gesagt, was gelungen war und was nicht.
Am Anfang taten manche Auswertungsmails echt weh, aber nur das hat mich weiter gebracht. Mal nen fettes Danke auf diesem Weg.
Dennoch bin ich fast immer alleine unterwegs und nur bei ganz wenigen Veranstaltungen sind wir mal zu zweit.

Kamerafliegt torgaul-0008

Foto: Luftaufnahme Kamerafliegt.de / Benjamin Kramer

Auf welchen Veranstaltungen trifft man Dich derzeit an?

Also grundsätzlich bin ich bei der ganzen „Endurance Masters 2016“ (QUAD ATV und SxS) dabei, wenn genĂĽgend Fahrer da sind.
Wenn ich keine anderen Termine habe, bin ich auch auf jeder Veranstaltung beim Wipfelgucker oder in Krauschwitz. Das sind ja meine Homies.
Sonst bin ich auf relativ vielen Quadtreffen und dieses Wochenende steht ein Partyaftermovie am Dreiweiberner See an.

Was mal komplett anderes fĂĽr mich im Motorsport werden wird, ist am 13. August 2016. Da findet am Partwitzer See ein Jetskirennen statt, wo Matthias Malmedie als Kommentator dabei sein wird. Darauf freue ich mich besonders.
Demnächst stehen aber auch komplett andere Sachen an, wie Imagefilme für RMX Racing, Luftaufnahmen für Vattenfall, Hochzeiten und Familienhäuser von oben ablichten.
Wie man sieht, geht es durch die Bank weg und wird nicht langweilig.

Gibt es eine Strecke, die Dich filmtechnisch ganz besonders reizt?

Ich finde jede Strecke wie den Wipfelgucker toll, die nicht nur wie eine WĂĽste aussieht.
Motive finden sich immer einfacher, wenn viel Abwechslung dabei ist. Ich fand den MSC PflĂĽckuff in Torgau bis jetzt auch sehr reizvoll.

Kamerafliegt DJI_1

Foto: Luftaufnahme Kamerafliegt.de / Benjamin Kramer

Welche Motive sind für Dich am interessantesten und was sind beim Filmen mit der Drohne die größten Herausforderungen?

Hier muss ich weiter ausholen. Die größte Herausforderung für mich sind die Menschen, die meinen, dass sie sich rechtlich besser auskennen und mich dann beim Fliegen über der Strecke blöd anmachen.
Ich mache das ja nicht erst seit gestern. Es ist ja klar, ich möchte niemanden gefährden. Und rein rechtlich gesehen, habe ich immer jegliche Zustimmung des Veranstalters.
Und der ganze Rest steht in der eingeholten Aufstiegserlaubnis.

Nun zu den fliegerischen Herausforderungen: Dazu gehört, im Wald hinter den Fahrern hinterherfliegen. Ansonsten gibt es nichts, was ich beim Filmen in freier Natur wirklich für schwierig erachte.

Ich bin es mittlerweile gewohnt, in sehr komplizierten Umgebungen den Kopter fliegen zu lassen.
Ich habe für Vattenfall im Kraftwerk, innerhalb des Kessels, Aufnahmen machen müssen, wo es zum Ausweichen überhaupt keine Möglichkeit gab. Und es ist alles ganz geblieben.
Da habe ich beim ersten Mal wirklich gedacht: „Worauf hast du dich hier eingelassen?“ Und innerhalb der ersten zehn Sekunden, wollte ich es auch erst beenden und es bleiben lassen.
Am Ende stand ich im Kessel in 70 Meter Höhe und musste in ca. 20 Meter Entfernung unter mir in ein Stück Rohr von zwei bis drei Metern Breite hineinfliegen. Und das auf Sicht ohne Livebild.

Da wĂĽrde ich sagen, dass es bisher das Schwierigste in meiner Pilotenlaufbahn war. Denn das geschah noch zu einer Zeit, als es ĂĽberhaupt keine Sensoren an einem Kopter gab und man nur an den SteuerknĂĽppeln mit FingerspitzengefĂĽhl arbeiten musste.

Motive von oben sind interessant. Naja wie man unschwer erkennt, finde ich natürlich die Totalen von Rennstrecken sehr schön. Ansonsten gibt es nur knapp zehn verschiedene Aufnahmen, die mit der Drohne gut wirken. Weil es von unten einfach besser aussieht. ;)

Kamerafliegt DJI_2

Foto: Kamerafliegt.de

Gibt es lustige Erlebnisse oder was bzw. wer hat Dich ganz besonders in den letzten Jahren beeindruckt?

Nunja, was ich natĂĽrlich wirklich gut finde, sind die Filme von Flagconnection mit Gunter Brecher. ;) Die sind voller guter Ideen.

Genauso wie die Filme von Vossenwheels und den ganzen anderen Filmemachern, die hier so unterwegs sind.

Welches Video ist Dein ParadestĂĽck, auf das Du ganz besonders stolz bist?

Mhhh, ja die aktuellsten Videos finde ich immer sehr gut. Das Problem ist nur, dass man nie die Zeit hat, es mal richtig krass ausgefeilt zu machen. Das wĂĽrde ja relativ lange dauern. Und somit sind die Veranstaltungfilme natĂĽrlich immer toll, aber eben auch immer nur Veranstaltungsfilme. Die sollen ja schlieĂźlich aktuell in der Folgewoche online gehen.
Ich persönlich finde den Endurance Masters Film vom vierten Lauf in Rötha sehr toll.

Video auf YouTube hier ansehen: Endurance Masters vierter Lauf in Rötha

 

Aber auch die Filme vom Wipfelgucker und Spremberg-LadiesCup oder auch die Stockcarchallenge, Polaris and Friends sind gelungen.;)
Also einen richtigen Liebling habe ich nicht. Es gibt aber immer welche, wo man sehen muss, dass wenn ein Veranstalter nur ein geringes Budget zur VerfĂĽgung hat, ich auch nur bedingt Zeit die bezahlt wird investieren kann.
Dazu kommt noch, dass man zwischen Bericht- und Eventfilm unterscheiden muss.

Video auf YouTube hier ansehen: MX Sachsen Wipfelgucker

 

Ich mache ja auch relativ viele Berichte fĂĽr Magazine, bei denen mein Videomaterial dann vertextet wird und das Ganze dann als „Fernsehbeitrag“ läuft.

Vidoe auf YouTube hier ansehen: Stockcar Challenge

Wen oder was wĂĽrdest Du gerne mal filmen, der/das Dir noch nicht vor die Linse gekommen ist?

Bei den ganzen Eventfilmen wĂĽrde ich gern mal einen richtigen Kurzfilm drehen und das natĂĽrlich mit Motorsportcharakter. Wo man sich Zeit nehmen kann und auch alles an Effekten probieren und reinpacken kann. Wenn sich dafĂĽr auch noch ein Sponsor finden wĂĽrde… .

Gibt es für Dich ein „NoGo“ an Motiven?

Ich halte die Kamera nicht drauf, wenn Fahrer verunfallt sind.

Hand aufs Herz. Gab es mal einen peinlichen Moment, ĂĽber den Du heute lachen kannst?

Bei meinen Filmanfängen, gab es mal einen Renntag, bei dem ich die Recordtaste falsch bedient habe. So kamen ca. zwei Stunden Material zusammen, bei dem ich nur mein Laufen und die Tasche sehe, weil die Cam  lief. Als ich dann auf das Motiv gehalten habe, hab ich die Aufnahme beendet anstatt sie zu starten. ;-)

Die meiste Arbeit nach einem Renntag ist ja hinterher, die Filme zusammenzuschneiden. Wie lange dauert das normaler Weise?

Naja, meistens ist man ja beim Drehen schon den ganzen Tag unterwegs und dann komme ich mit ca. 80 GB Material heim. Jetzt ist ja nicht alles gut, was da gedreht wurde.

Also wird erst einmal alles sortiert in die Ordner fĂĽr jede Kamera auf die Festplatte kopiert. Ich arbeite ja fast immer mit vier Kameras inklusive der Drohne.
Dann beginnt am Folgetag der Rohschnitt, das dauert ca. zwei Stunden, dazu kommt dann das Sichten und die Clips vormontieren. Das Sichten des Materials dauert nicht eins zu eins der Aufnahmezeit. Da man es selbst gefilmt hat, weiĂź ich schon beim aufnehmen, was gut ist und ich unbedingt nehme.

Dann folgt die Musikauswahl. Hier ist das größte Problem bei jedem Film, die passende Musik zu finden. Das kostet Nerven. ;) Da gibt es durchaus auch Tage, da macht man den ganzen Tag nichts anderes, als einen Titel zu suchen. Mit dem steht und fällt das Ganze ja am Ende.
Nachdem diese ausgewählt ist, beginnt der „Feinschnitt“, dass Video an den Rhythmus anpassen und eine Chronologie der Szenen von der Veranstaltung erstellen.
Nachdem der Teil nach weiteren drei bis vier Stunden fertig sein sollte, kommt noch „Colorgrading“ dran, je nach Budget des Auftraggebers. Das dauert auch eine Weile.
Dann kommen noch die vielen Logos usw. rein, sodass eigentlich nochmal ein ganzer Arbeitstag je nach Aufwand drauf geht.

Du machst ja noch mehr, als nur MX-Videos. FĂĽr was kann man Dich sonst noch alles buchen?

Man kann mich fĂĽr Imagefilme, Berichte, Luftbilder, als Kameramann, Drohnenpilot und fĂĽr Hochzeiten buchen. Eigendlich fĂĽr jegliches Veranstaltungsfilmchen.

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Foto: Luftaufnahme Kamerafliegt.de / Benjamin Kramer

Stehen neue Projekte auf dem Plan?

Ja. Die sind aber „Top Secret“ bis zur Veröffentlichung. ;)

Hast Du schon mal durchgerechnet, wie viel Geld Du bis jetzt schon in die ganze AusrĂĽstung investiert hast?

Wenn man die ganzen Multicopter (Drohnen) rechnet, die damals noch selber gebaut werden mussten, als es noch nicht diesen ganzen Komplettbilligmist gab, dazu dann Kameras mit neuem Zusatzmaterial, komme ich bis heute auf locker knapp 20.000 Euro.

Was aber Interessanter sein dĂĽrfte ist, dass ich aktuell zu jedem Rennen knapp 8000 Euro an Technik mit nehme, von der Drohne bis hin zum Stativ am Boden.

Wenn Du Dir im MX-Bereich was wünschen könntest, was wäre das?

Was soll ich mir als Nichfahrer da wĂĽnschen?
Mir ist es wichtig, dass es spektakuläre Aufnahmen werden, was natürlich bei Hobbyfahrern vor der Kamera nicht immer so leicht ist. ;) Aber machmal sehe ich auch, dass es teilweise für meine Begriffe auch mal unsportlich zur Sache geht. Gelbe Fahnen werden ignoriert. Da wird weiter voll durchgeballert. Ich frage mich immer wozu? Es sind Hobbyrennen, da gibt es doch nix zu verlieren.
Teilweise liegen Fahrer auf der Strecke und einige denken gar nicht daran, langsamer zu fahren.
Ich wĂĽrde mir wĂĽnschen, dass es dahingehend sportlicher zu geht.

Wie bleibst Du fit, wenn Du nicht gerade auf Crossstrecken unterwegs bist?

Egal welcher Film gedreht wird, ich bin eher froh mal am PC zu sitzen.
Bei so einem Motocross-Rennen sagt mein Schrittzähler meistens was von 19000 Schritten. Das dann noch in dem unwegigen Terrain mit dem Equipment, reicht aus. ;)

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Foto: Luftaufnahme Kamerafliegt.de / Benjamin Kramer

Letzte Worte:

Was ich auch mal erwähnt haben möchte und nicht nur mich betrifft, sondern alle Motorsportfoto/Videografen da draußen, dass es nen verdammt gefährlicher Job ist. Da kann man noch so gut aufpassen und immer denken, man steht in Sicherheit. Es kommen garantiert Steine geflogen, manchmal sogar ganze Maschinen ohne Fahrer.

Manchmal platzt ein Reifen genau in der Kurve wo man steht und es war pures Glück, dass da nichts passiert ist. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich dieses Jahr in Polen mit Jay Gröpl. Zum Glück ist er ein sehr guter Fahrer und konnte noch an mir vorbei lenken. Und ich bin der Meinung, dass ich mir Mühe gebe, immer aus der Gefahrenzone raus zu sein. Aber es ist leider manchmal einfach nicht möglich oder man selbst ist zu langsam.;)

Des Weiteren möchte ich in meinem nächsten Leben auch keine Gopro sein, die von einem wir mir benutzt wird.
Bei der Stockcarchallenge lag sie plötzlich unterm Auto. Auf den Rennstrecken manchmal direkt auf der Strecke und die Fahrer heizen drüber. ;) Der Verschleiß an Gehäusen ist dieses Jahr so groß wie noch nie. Bereits das dritte Gehäuse in einem halben Jahr, das ich ersetzen musste.

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Foto: FFW Reichwalde / Kamerafliegt.de

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