Interview #11 Robert Scharl – ENDUROXCUP-Meister

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Wer die letzte Ausgabe der MOTOX 04/2015 gelesen hat, konnte ĂĽber Robert einen sehr interessanten Bericht lesen. Daraus ging eindeutig hervor, dass ihm der Zweirad-Sport in die Wiege gelegt wurde.
Angefangen hat alles bereits beim GroĂźvater, der schon zu seiner Zeit Gras- und Sandbahnrennen fuhr. Vererbt ging es weiter beim Vater, der neben dem Motocross auch noch bis heute passionierter Radfahrer ist.
Das Radfahren erlernte Robert bereits auf einem BMX-Rad, das noch heute als Erinnerungsstück in Familienbesitz ist. Mit 6 Jahren ging es schon auf seinem ersten Motocross-Bike los und heute fühlt er sich hauptsächlich im Enduro-Sport zuhause, auch wenn ihm andere Bereiche im MX auch weiterhin Spaß bereiten.

Spitzname: Rob

Alter: 24

Wohnort: Taufkirchen/Vils

Team/Verein: Team MXtreme Racing / MC Augsburg

Bike: Beta RR 300 Racing

Sponsoren: Keller & Kalmbach, Zupin Moto-Sport, MXtreme Racing, Wilson25

Kontakt-Facebook: Robert Rob Scharl

Bei Dir war ja schon recht früh klar, in welcher Sportart Du später unterwegs sein würdest. Nach einer intensiven Motocross-Zeit bist zu zum Enduro-Cross gewechselt und bist auch beim Extreme-Enduro unterwegs. Wie kam es dazu?

Das kam eigentlich mit dem Freeriden. Ich wollte neues ausprobieren, Spaß haben und neue Herausforderungen finden. Das hat die Leidenschaft für den Enduro-Sport geweckt. Nicht nur die Hindernisse und die Beherrschung des Bikes im kniffligen Terrain haben mich dazu bewegt, keine Motocross-Rennen mehr zu fahren, sondern auch die Vielzahl und Vielfalt an Events haben mich begeistert … so war dann 2011 mein letztes Jahr, in dem ich aktiv Motocross-Rennen gefahren bin!

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Viele Vorteile hast Du ja, erlerntes vom Motocross im Enduro-Bereich mit anwenden zu können. Wie genau macht sich das bemerkbar?

Ganz klar liegen meine Vorteile natĂĽrlich im Endurocross bei weiteren SprĂĽngen, bei den Prologfahrten im Extrem-Enduro, auf schnelleren Passagen und mitunter in den Kurven, wenn die Strecke technischer ist.

Wie zufrieden bist Du mit der Saison 2015? Was war der größte Erfolg?

FĂĽr 2015 hatte ich mir erstmals keine Ziele gesteckt und bin eigentlich auch keine Serie gefahren, dadurch konnte ich relativ locker in die Saison starten.
Mit einer der größten Erfolge war sicherlich der achte Platz beim The Wall Extrem Enduro im Metzeler Offroad Park in Arco. Zwischen den ganzen Werksteams und Profis war das ein wahnsinniges Gefühl. Obwohl ich ohne Druck in die Saison gegangen bin, habe ich viele Rennen bestritten und viel Erfahrung sammeln können.

Mit eines der schönsten Erlebnisse war auch das Red Bull Sea to Sky in Kemer (Türkei), was wir noch mit einem Kurzurlaub verbunden haben, quasi die Belohnung für den 39. Platz. Das war wirklich ein irres Gefühl, dort an den Start zu gehen. Trotz der teils anstrengenden Passagen, durch diese Landschaft fahren zu dürfen, war es einfach traumhaft! Von den gesammelten Eindrücken her vielleicht sogar mit das Spannendste, was ich bisher im Motorsport erlebt habe.

Technisch im Enduro-Cross gab es den zweiten Platz in Bräunlingen beim Enduro X-Cup, in Augsburg den vierten und dritten Platz und in Amtzell den zweiten Platz, worüber ich mich auch sehr gefreut habe. Trotzdem waren im vergangenen Jahr natürlich die Türkei und Italien das großartigste Erlebnis und der größte Erfolg, den ich mir hätte vorstellen können.
Vielleicht sollte ich öfters ziellos in die Saison starten. ;)

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Foto: Anton Anestiev www.antonanestiev.com

Und was hast Du Dir fĂĽr 2016 vorgenommen? Was steht alles auf dem Plan?

Leider werde ich dieses Jahr mit dem Sport etwas kĂĽrzer treten mĂĽssen, weil ich momentan eine Fortbildung mache und das steht jetzt natĂĽrlich erst mal im Vordergrund. Aber ich werde definitiv bei der Deutschen Enduro Meisterschaft in der Klasse E2 an den Start gehen, auch wenn ich leider beim Auftaktrennen noch nicht dabei sein konnte. Und darĂĽber hinaus bin ich wieder bei der Austrian Cross Country (Pro Klasse) am Start, Tripple Crown (Enduro X-Cup) und vereinzelte Extrem-Enduro Rennen stehen auch auf dem Plan, falls das mit meinem Kalender vereinbar ist. ;)
Und (darĂĽber freue ich mich am meisten) die Zeichen stehen gut, dass ich bei der Superenduro WM starten kann. Also letztes Jahr habe ich mir nichts vorgenommen und viel erlebt. Dieses Jahr hab ich eigentlich kaum Zeit, aber dafĂĽr viel vor. Ich lass mich einfach mal ĂĽberraschen, was die Saison bringt.

Im Enduro-Cross fühlst Du Dich ja gut und erfolgreich aufgehoben, dennoch stellst Du Dich zusätzlich den neuen Herausforderungen des Extrem-Enduros. Was treibt Dich immer wieder an, wo holst Du die Motivation her?

Die Motivation kommt eigentlich aus der Emotion im Rennen, egal wie unüberwindbar ein Hindernis wirkt, in einem Rennen ist alles möglich!

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Foto: Anton Anestiev www.antonanestiev.com

Was für ein Gefühl ist es, wenn man unter den Werksfahrern unter die Top Ten beim „The Wall“ in Italien fährt und beim Red Bull „Sea To Sky“ mitfahren kann? Ist das eine Belohnung für die harte Vorbereitung?

Ja, ein Gefühl von Glückseligkeit war das …anders kann man das kaum beschreiben.

Wobei das im Fahrerlager und im Vorstart schon einschüchternd war. Umso ärgerlicher, dass ich im Finallauf gestürzt bin, aber dieses Jahr will ich wieder hin! Wir waren ja am Osterwochenende schon in Arco zum Trainieren. ;)

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Wenn Du auf die ganzen Jahre zurückblickst, welcher Erfolg war persönlich der Wichtigste?

Der Junioren European Cross Country Titel 2013, einen Tag nachdem ich die Austrian Cross Country Meisterschaft gewonnen hatte, in der ich ja dieses Jahr in der Pro Klasse starte.
Und den inoffiziellen Deutschen Meister Titel im Enduro-X-Cup 2014 zähle ich definitiv mit zu meinen wichtigsten Erfolgen!

Welche Enduro-Cross-Strecke ist fĂĽr Dich die anspruchsvollste in Deutschland?

Selbstverständlich die in Augsburg, aber Vellahn ist auch nicht ohne …

Wie bereitest Du Dich auf die Rennen vor? Wie hältst Du Dich fit?

Eigentlich nur mit dem kontinuierlichen Training auf dem Bike, bloĂź fĂĽr diese Saison habe ich im Winter angefangen, mich mit Functional- und Konditionstraining fit zu halten.

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Gibt es noch ein anderes Leben neben dem Sport?

Ja, natĂĽrlich tagsĂĽber die Meisterschule und derzeit noch der Ausbau der eigenen Wohnung, zusammen mit meiner Freundin Lisa.

Lisa, meine Eltern und mein Bruder stehen immer hinter mir und unterstützen mich bei allem. Seit Ende letzter Saison, teilt meine Freundin auch meine Leidenschaft mit mir. Enduro fahren ist halt ansteckend und darüber freue ich mich natürlich am meisten.

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Du bist ja auch sehr viel unterwegs. Was darf niemals fehlen und wird immer eingepackt?

Kontaktlinsen, ganz wichtig!

Was sind Deine letzten Gedanken, bevor das Startgatter fällt? Hast Du ein Ritual?

„Hab ich den Herd ausgemacht?“

Nein, es gibt eigentlich kein Ritual und nichts Spezielles, woran ich an einem Renntag denke. Ich versuche immer, mich voll und ganz auf das Rennen zu fokussieren.

Wenn Du zehn Jahre weiter denkst, wo wĂĽrdest Du Dich da gern sehen?

Alt und weise in einem Schaukelstuhl auf der Veranda. Nein, Hauptsache natürlich immer noch wohl auf, fit und selbstverständlich auf ´nem Moped. ;)

Was ich mir für die Zukunft gut vorstellen könnte und wo ich bereits die ersten Arrangements hatte, ist als Trainer einzusteigen. Die Jugendarbeit macht mir einen riesen Spaß und es ist einfach schön, wenn man mit anderen Fahrern seine Leidenschaft teilen kann und Erlerntes sowie Erfahrungen weiter geben darf …

99999Gibt es eine peinliche “Fahrerlagerstory”, die Du wohl später immer wieder Deinen Enkeln erzählen wirst? ;-)

Das ist mitunter die schwierigste Frage. Bei uns geht’s eigentlich immer lustig zu, weil wir bei den meisten Rennen mit dem ganzen Team (MXtreme Racing) anreisen und es dann schon ab der Anreise was zum Lachen gibt …

Aber spontan wĂĽrde mir da eine kleine Peinlichkeit einfallen, die mir in Leipzig beim Kings of Xtreme passiert ist. Als richtiger Bayer hab ich natĂĽrlich auch einen Dialekt, wie sich das so gehört. Als ich da meinen Helm nach dem ersten Rennlauf vom Kopf nehme, hab ich da ein Mikrofon vor der Nase. Die wollten mich wohl interviewen. Etwas perplex direkt nach dem Rennen, war meine erste Antwort voll auf „boarisch“ … Es blieb bei der einen Frage. Der Moderator hat wohl gemerkt, dass die sprachliche Barriere zu hoch ist, um mir noch weitere Fragen zu stellen…

Von wem wĂĽrdest Du gern mal ein Interview auf CrossBloxx.de lesen wollen?

Philipp Scholz und natürlich Manuel Lettenbichler, dem ich hier auch nochmal zu seinem Junior WM Titel gratulieren möchte.

12804827_467710056751981_3894613478439250634_nLetzte Worte:

Ja, zum Schluss bedankt man sich immer oder sagt noch was schlaues. Sowas hab ich aber nicht parat und namentlich will ich mich auch bei niemandem bedanken, weil mir sonst noch jeder böse ist, den ich vergess´ …
Vielen Dank auf jeden Fall schon mal fĂĽr das Interview Yvonne und deine Geduld.

Egal ob beim Training, bei den Rennen oder zu Hause, ich habe viele Menschen um mich herum, die mich unterstützen, die mich begleiten und die für mich da sind. Hierfür ein ganz großes Dankeschön! Auch wenn beim Motorsport der Fahrer immer im „Mittelpunkt“ steht, gehören hierzu viel mehr, als nur ein bis zwei Leute. Danke, dass es Euch gibt! Danke natürlich auch meiner Familie, meinen Eltern, meiner Freundin Lisa, meinem Bruder und meinen Sponsoren …

Jetzt ist quasi „Saisonhalbzeit“. Ich freu mich und bin nach wie vor noch heiß, wie zum Beginn des Jahres. Einige spannende Rennen kommen noch. In dem Sinne sieht man sich vielleicht demnächst auf der Strecke.

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