Interview #77 Ronny Herlitschke

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Der 1,80 Meter große Finsterwalder fährt Motocross und das mit Leidenschaft. Er braucht den Nervenkitzel, MX ist eine Droge für ihn. Trotz vieler Verletzungen liebt er noch heute hohe Sprünge und rasante Rennen.
In dieser Saison fährt Ronny nicht zum ersten Mal bei den Ü35 Senioren in der Landesmeisterschaft in Berlin/Brandenburg mit. Er hat eigentlich die Berechtigung dafür schon etwas länger, wobei er vorrangig in der MX1-Open-Klasse unterwegs ist und die Senioren Ü35 als Vorbereitung nutzt.

In Polen werden die Seniorenklassen liebevoll Masters genannt. Vielleicht passt das nach seiner vorzeigbaren Rennkarriere viel besser zu ihm.

Oder was meinst Du Ronny? ;-)

Naja, auf der einen Seite wäre der Titel eine Anerkennung, auf der anderen Seite sollte sich schon die schnellste Klasse jeder Meisterschaft „Masters“ nennen, also nicht unbedingt die Senioren. ;)

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Foto: Koepi Pictures / Crossbloxx

Unter welchem Namen kennt man Dich im Fahrerlager?

„Litsche“ oder einfach nur Ronny!

Wie jung bist Du?

39 Jahre

Wo lebst Du derzeit?

Ich wohne in Finsterwalde.

Bike: Kawasaki KX450F

Kontakt-Facebook: Ronny Herlitschke

Sponsoren: RB-Motorsports powered by Kawa-East, Ortema, I sponsor myself.

Verein: MSC FĂĽrstlich-Drehna

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Seit wann fährst Du schon und wie bist Du dazu gekommen?

Wir sind eine sehr vorgeprägte Motorsportfamilie. Mein Opa fuhr schon in den 60er Jahren Motocross, zwei Cousins meiner Mutter (Thomas GĂĽnther – erfolgreicher MX-Fahrer der ehemaligen DDR-Nationalmannschaft 1980-1990 und Uwe GĂĽnther – DDR Geländesport), sowie auch der Onkel meiner Mutter (Wolfgang GĂĽnther – erfolgreicher StraĂźenrennfahrer/Formel-Rennwagen in der DDR) fuhren auf motorisierten Untersätzen.

Zu dieser damaligen Zeit war ich als kleiner Junge eigentlich im Leistungs-Schwimmen aktiv. Doch sehr zum Leid meiner Mutter, haben mein Vater und ich die freien Wochenenden genutzt und sämtliche Motocross-Pisten der DDR besucht, wo er als Mechaniker oder auch als Zuschauer gewesen ist. Von da an war kein Halten mehr und so kam es, dass ich permanent drängelte: „Ich brauch ein Motorrad … !“

Meine erste Saison war dann 1990, das war noch die letzte DDR-Meisterschaft. Ab dann bin ich durchweg bis 2008 aktiv Rennen gefahren, in unterschiedlichen Teams, wie Team Kölling-Yamaha, Team Pollack-Yamaha, Team Kunkel-Kawasaki, Team Großmann-Yamaha und Team Kalli Racing.
Nach all den Jahren, vielen vielen Rennen und unzähligen Kilometern jedes Wochenende auf den Autobahnen Deutschlands, habe ich dann irgendwann einen Punkt erreicht, bei dem der Spaß und die Motivation etwas verloren gegangen sind. Da war ich dann nicht mehr bereit, diesen Aufwand mit all dem Training und allen Vorbereitungen zu tätigen, um weiterhin auf diesem Niveau konstante Leistungen zu bringen.

Zumal ich dann mit 31 Jahren und auch Vater einer kleinen Tochter mehr wollte, als im Leben jedes Wochenende auf dem Rennplatz zu verbringen und privat nichts zu erreichen. Ich brauchte eine Pause.
Nach Hausbau und Jobveränderung merkte ich 2013, dass ich ohne Motocross dann irgendwie aber auch nicht kann. So kam es, dass ich mir wieder ein kleines Motorrad zum „etwas fahren“ kaufte. Plötzlich war auch der Spaß wieder da.

2014 fuhr ich dann sporadisch mal zwei oder drei LM-Läufe mit meiner kleinen 4-Takter und merkte schnell, dass der „sportliche Kampfgeist“ mich wieder gefangen hat.
2015 sollte dann wieder meine erste volle Saison in der MX1-Open Klasse werden, was bis zur Verletzung in der Mitte der Saison auch gut lief.
2016, also diese Saison, ist jetzt genau das gleiche Desaster. Planung MX1-Open und leider bin ich jetzt momentan auch wieder verletzt, was wohl etwas länger dauern wird.

Welche Meisterschaften bist Du schon gefahren?

DM/DMSB-Pokal/Regional-Pokal/LM/ 80/125/250/500/Open 1990-2008
Inter-DM/Masters (A/I-Lizenz) 2002-2003

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Foto: MOTOCROSSPICS

Erfolge hattest Du ja schon sehr viele, aber welcher war bisher Dein persönlich größter Erfolg?

Das kann ich gar nicht so genau bestimmen. Es waren einige sehr gute Einzelplatzierungen, wie mal Platz 7 oder 10, damals in der DM 250 und der DM 500, die ich komplett in den Jahren 1998 – 2003 gefahren bin, zumal das Niveau der DM zu dieser Zeit noch wesentlich höher war als es jetzt ist. Auch die zweimal Vizemeister im DMSB-Pokal 2007/2008 waren nicht so schlecht. Eigentlich bin ich aber ganz zufrieden und auch etwas stolz, dass ich es geschafft habe, in jeder Klasse in der ich fuhr, schon mindestens einmal Landesmeister gewesen zu sein, denn auch unsere Jungs hier schlafen nicht ;)!

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Welche Ziele hast Du Dir fĂĽr diese Saison auf die Fahne geschrieben und wie hast Du Dich vorbereitet?

Eigentlich wollte ich in der LM MX1-Open unter die ersten fĂĽnf, was sich aber auf Grund meiner Verletzung nun leider erledigt hat.

Wie werden die kommenden Wochen bei Dir aussehen?

Erst einmal richtig gesund werden und dann schauen, ob ich vielleicht noch das ein oder andere Rennen in diesem Jahr bestreiten kann!

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Foto: Enduro Photographie

Was meinst Du. Mit welchen 3 Worten wĂĽrden Dich Deine Freunde beschreiben?

Willensstark, kämpferisch und tiefgründig.

2Takt oder 4Takt? Tiefsand oder Hartboden?

4-Takt und Tiefsand.

12901509_584313941726476_1675314238614600723_oGibt es eine Strecke, die Dir ganz besonders liegt?

Lauchhammer

Hast Du ein Motto?

Nicht jeder der Kämpft kann gewinnen, doch wer nicht kämpft hat schon verloren….. und das solange, bis die Schwarzweißkarrierte geschwenkt wird!

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Foto: Sandra Andreas

Wenn Du zehn Jahre weiter denkst, wo wĂĽrdest Du Dich da gern sehen?

Vor allem gesund und mit meiner Familie glĂĽcklich. Ab und zu auf der Strecke und das mit guten alten Fahrerkollegen und Freunden, um ein paar ruhige Runden drehen!

Mit Deinem heutigen Wissen, hättest Du in Deinem Leben etwas anders gemacht?

Ja, auf jeden Fall … .

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Foto: MOTOCROSSPICS

Gibt es einen Moment in Deiner MX-Zeit, der Dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

1996 LM 125 – Finale in Seelübbe/Prenzlau: Ich bin als Meisterschafts-Führender, mit ein paar Punkten Vorsprung vor Nico Machnow, dahin gefahren.

Mein Vater sagte mir noch extra vor dem ersten Training: „Mach heut keine Dummheiten, fahre das Training ruhig und denke an die Punkte in beiden Läufen. Du musst zweimal Zweiter werden, das reicht …!“ Ich war völlig erstaunt, denn das machte er sonst nie.

Tja und was mache ich? Im freien Training beim Berg ab gab es erst einmal einen kapitalen Crash und das Motorrad war komplett verbogen, um mir dann noch im Pflichttraining den Knöchel so extrem zu verdrehen, dass ich dabei die Bänder riss. Alles war extrem blau und geschwollen, dass ich nicht auftreten konnte. Ich wusste dann nicht, wie ich noch das Rennen mitfahren kann!

Unter extremen Schmerzen fuhr ich die zwei Läufe und hatte es irgendwie geschafft, zweimal Zweiter zu werden und mir damit den Titel zu holen.
Das hat mich in all den weiteren Jahren immer wieder begleitet. Das werde ich nie vergessen, wie hitzköpfig ich damals gewesen bin!

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Foto: Enduro Photographie

Hand aufs Herz! Ăśber welchen peinlichen Moment in Deiner MX-Karriere kannst Du heute ganz besonders lachen?

Oh ja, da gab es einen in Geisleden 1993 bei der DM80ccm. In der Einführungsrunde zum ersten Lauf, wollte ich eine Gerade auf dem Hinterrad hinunter fahren. Aber leider kam ich nur 20 Meter weit aus der Kurve raus. Das dumme war nicht nur, dass ich nach hinten übergekippt bin und mir mein Heck demoliert hatte, nein, das Motorrad und auch ich sind in die einzigste riesengroße und tiefe Pfütze gerutscht, die vom wässern stand. Ich sah aus wie eine kleine S.. ! Zu allem Überfluss stand da auch noch der Großteil der Zuschauer. Niemand sah dann an der Startrampe so aus wie ich, das war echt peinlich und jeder hat geschmunzelt!

Was packst Du zum Rennen ein, was nie fehlen darf?

Mein Tape, gegen Blasen an den Händen!

Welcher Song wĂĽrde unter Deinem Helm laufen, der Dich so richtig pushen wĂĽrde?

The Offspring „Have you ever“

Gibt es etwas, dass Du gern im MX-Bereich ändert würdest, wenn Du könntest?

Ja gibt es, dass man dem DMSB mal zeigt, dass man ihn eigentlich nicht braucht und sich auch mal gegen die Politik der ganzen „Straßen-Automobil-Fraktion“ da oben wehrt!
Ich finde es traurig, dass man der gesamten OFF-Road-Sparte in Deutschland, sei es MX-Enduro-Supermoto o.ä., degradieren möchte (Aberkennung DM-Titel, stattdessen DMSB Meisterschaft, etc.). Und parallel dazu aber auch den Veranstaltern immer höhere Kosten aufbrummt, um ein Rennen zu organisieren. Dadurch steigen die Startgelder, Platzgelder werden immer weniger und das Ergebnis sind immer kleinere Starterfelder. Das ist ein Strudel, wo soll das hinführen?

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Und die letzte Frage. Wie bringst Du Familie, Job und MX unter einem Hut?

Das ist nicht immer einfach, aber ich habe das Glück, dass bei uns auch jeder hinter dem Sport steht und zu den Rennen oder Trainings entweder mitkommt oder auch nachkommt. Selbst meine Tochter fährt schon Motorrad und ist oft dabei, wenn es eine Kinderstrecke vor Ort gibt, wobei ich das aber überhaupt nicht fokussieren möchte. Sie hat noch ein anderes Hobby und das ist auch gut so.
Beruflich bin ich regional tätig, was mir doch schon ein paar Freiheiten erlaubt.

IMG-20160613-WA0008Letzte Worte:

Ich danke für das Interesse des Interviews deinerseits, drücke allen Fahrer-Kollegen die Daumen für den Rest der Saison und hoffe, dass wir uns demnächst alle gesund auf der Strecke wiedersehen werden!

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