Quad-Champion #77 Jürgen Mohr vom Geiling-Mohr Racing Team

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2-facher European-Quad-Champion, 4-facher Sieger im Deutschen-Enduro-Quad-Cup und Deutscher-ATV-Meister 2013 und 2014

Als ich bei Jürgen angefragt hatte, ob er Lust auf ein Crossbloxx-Interview hat, erhielt ich promt eine Zusage. Gleich im ersten Telefonat stellte sich heraus, dass ich hier erst einmal so richtig meine Hausaufgaben machen musste. ;-)

Mit über 250 Motocross- und Enduro-Rennen legte er eine beeindruckende Rennkarriere hin und schaffte sich einen festen Namen in der Quadracing-Szene.

Mit Auftritten in diversen TV-Shows, war er auch medial sehr gefragt. Man konnte ihn u.a. im ZDF-Fernsehgarten, auf SAT1, „Galileo“ Pro 7 und bei RTL „Unschlagbar“ sehen.

Ich hatte die Chance, in seinen Erfolgen, Zielen und Leben zu stöbern.

Vielen, vielen Dank Jürgen!

Alter: 45

Wohnort: Selbitz

Team: Geiling-Mohr Racing Team

Quad: Honda TRX 450

ATV: Polaris Scrambler 1000

Sponsoren:

Polaris Germany, Motul, Mefo Sport, Kenda, Arai, Neprosport, Geiling-Quad-Racing-Parts, MSC Stiftland Mitterteich e.V., DWT Felgen, Ariete, K&N Filters, Acerbis, Top-Fit Studio Bayreuth, Häfker Design, 4-Citys.eu, Quadwelt Magazin

Kontakt-Facebook: Jürgen Mohr

Internetseite: www.juergen-mohr.de

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Foto: Marco Burkert

In einem der Facebook-Kommentare habe ich “Vin Diesel” gelesen? ;-) Wie nennen Dich Deine Freunde?

Da gibts verschiedene Versionen, wie Mörchen und Jay M. Ich hatte einen US-Amerikaner im Rennteam, der Jürgen nicht aussprechen konnte. Das war vor meiner Rennkarriere auch schon der Fall, als ich musiktechnisch mit amerikanischen Musikern unterwegs war.

Jürgen Mohr mit GitarreWenn sie Dich mit drei Worten beschreiben würden, welche wären das?

ehrgeizig, ausgeglichen, PR-affin

Deine Eltern hatten ja lustigerweise Tennis als Sport für Dich ausgewählt. Wie und wann hast Du denn rechtzeitig die Kurve gekratzt und bist zum Motorsport gekommen?

Ich habe schon recht früh eher den Wald hinter dem Tennisplatz mit meinem BMX unsicher gemacht, anstelle viele Turniere zu spielen. Mein Vater war Trainer in unserem Verein. Leider war ich erst mit 17 so konsequent, die Filzkugeln für die 250er Maico an den Nagel zu hängen.

Jürgen Mohr-jung alt

Wie haben Deine Eltern das verkraftet? ;-)

Naja, das war kein Problem für sie. Sie hatten mich vorher lange genug erfolgreich vom Motorsport ferngehalten, aber ab diesem Zeitpunkt war es nicht mehr aufzuhalten. Außer mit 21, da ging mir die Kohle aus und ich habe erst mit 27 wieder mit dem Endurofahren und MX angefangen.

Dein Enduro-Bike hast Du 2001 gegen ein erstes Motocross-Rennquad eingetauscht. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Durch meine Verwandschaft in den USA bin ich 2000 das erste Mal mit einem Quad in Kontakt gekommen. Damals war ich vier Wochen in Pennsylvania und bin fast täglich durch die Wälder mit einer schwerfälligen 250er Viertakt-Suzuki geheizt. Doch ich habe gemerkt, dass mit der Fahrstil liegt. Zuhause angekommen, habe ich mir eine Yamaha Banshee besorgt. Viele kennen den legendären 2 Zylinder 2-Takt Motor aus der Yamaha RD350. Das war ein giftiges Teil.

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Foto: Marco Burkert

Die Erfolge ließen ja nicht lange auf sich warten. 2003 bist Du schon in der Deutschen Meisterschaft im Mittelfeld mitgefahren und konntest einen vorzeigbaren 16. Platz belegen. Ab 2004 flatterten die Siege nur noch ins Haus. Wie kommt man darauf, nach so kurzer Zeit schon an der DM teilzunehmen?

Da hat mich damals ein Freund einfach ohne zu fragen mit Tageslizenz in Pegnitz beim Lauf zum Deutschen-Motocross-Quad-Cup angemeldet. Ich dachte, er will mich loswerden. Die anderen Fahrer haben mich ausgelacht, weil ich mit Blinkern am Start stand und keine Ahnung von dem hatte, was auf mich zukommt. Ich hatte überhaupt keine Zeit mich vorzubereiten. Das war der berühmte Sprung ins eiskalte Wasser.

Kannst Du Dich noch an Deine ersten Worte an Deinen Freund nach dem Lauf erinnern? ;-)

Die Worte damals wären nicht jugendfrei. ;)

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Foto: Marco Burkert

Bei Dir kann man ja definitiv sagen, dass Dir das Benzin im Blut liegt. Ärgert es Dich manchmal, dass Du erst so spät angefangen hast?

Oh ja. Für mich gibt es zwei Typen an erfolgreichen Fahrern. Die einen haben Talent und fangen früh damit an, die anderen sind die ehrgeizigen Kämpfer, die sich schrittweise nach oben arbeiten. Wenn beides aufeinandertrifft (das gilt glaube ich für die allermeisten Sportarten), dann lässt sich der Erfolg nicht mehr aufhalten. Ich gehöre eher zu der zweiten Sorte. Mir fehlte der frühe Einstieg und in jungen Jahren die Talentförderung. Ich denke, sonst hätte ich auch im MX mehr erreichen können.

2015 gab es einen Crash und dieses Jahr greifst Du wieder an? Welche Ziele hast Du Dir für diese Saison vorgenommen?

Mein wichtigste Ziel ist, unverletzt zu bleiben. Ich bin alleinerziehender Vater und mein Sohn wird dieses Jahr mit der Schule fertig. Ich kann mir keine grösseren Verletzungen erlauben.

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Foto: Marco Burkert

Wenn Du auf die ganzen Jahre zurückblickst, welcher Erfolg war persönlich der wichtigste?

2009: Da konnte ich im gleichen Jahr Europameister und Sieger im Deutschen-Enduro-Quad-Cup werden. Die EM-Rennen in Portugal, Ungarn, Sardinien, Süd- und Norditalien waren sehr aufregend. Es ist so viel passiert und es hing oft alles am berühmten seidenen Faden. Meine Schutzengel habe ich auch öfters in Anspruch genommen. Das war das aufregenste Jahr mit den härtesten Rennen meiner Laufbahn.

Was sind Deine letzten Gedanken, bevor das Startgatter fällt? Hast Du ein Ritual?

Das ist sehr unterschiedlich. In den letzten zwei Jahren dachte ich meistens einfach nur, dass ich heil rauskommen will. In jüngeren Jahren war ich aggressiver drauf und habe mich mental vor dem Start gepusht. Da gab es dann einige Bilder, die ich mir ins Unterbewußtsein aufgerufen habe.

Bobby Kiniry

Foto: Marco Burkert

Gibt es Vorbilder? Wer hat Dich in Deiner Zeit am meisten beeindruckt?

1. Bobby Kiniry (US-Supercross), inzwischen seit einigen Monaten ausgestiegen. Er hat mir in einem persönlichen Interview erklärt, wie er es geschafft hat, aus vielen hunderttausend MXlern in den USA in die Top20 zu kommen. Es war die pure 100%-ige Fokussierung auf ein Ziel. Am Ende haben ihn immer wieder Verletzungen ausgebremst. Aber er ist immer wieder zurückgekommen und hat es letztendlich geschafft. Andere waren eine Idee mehr vom Glück verfolgt, aber ich habe den Ehrgeiz gespürt, wie von keinem anderen Menschen.

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Foto: Marco Burkert

2. Ganz andere Baustelle. 2009 war ich abgehoben, etwas Besseres. Ich dachte, ich bin jetzt der Oberprinz im Leben und im Racing. Bis mein Freund und Betreuer Jens Niedlich eine Aktion für krebskranke Kinder in der Uniklinik in Erlangen organisiert hat. Mit allem was man sich vorstellen kann, wie BMX Freestyler, Hüpfburg, jede Menge Crosser und Quadfahrer zusammengetrommelt, Sponsoren für Geschenke abgeklappert, Polaris hat Side-by-Side-Fahrzeuge geschickt und und und. Was ich dann in der privaten Stunde in der Station erlebt habe, hat mich verändert. Bodennähe war dann sofort wieder da und meine Titel zweitrangig. Aber nicht für die Kinder. Sie haben zu mir aufgeschaut und waren glücklich, dass wir ihnen diesen kompletten Tag organisiert haben. Es ist mir sehr nahegegangen. Es waren sehr persönliche emotionale Momente, die mich geprägt haben.

Dafür bin ich Jens heute noch sehr dankbar! Es hat mich wieder auf den Boden des Lebens runtergebracht. Danach habe ich alles mit anderen Augen gesehen. Was ich in den einzelnen Zimmern auf der Intensivstation erlebt habe, bleibt meine ganz persönliche Erinnerung.

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Foto: Marco Burkert

Wenn Du zehn Jahre weiter denkst, wo würdest Du Dich da gern sehen?

Entweder bei der Dakar oder wenn das nicht klappt, bei Rollatorrennen im Altersheim.

Gibt es eine peinliche “Fahrerlagerstory”, die Du wohl später immer wieder Deinen Enkeln erzählen wirst? ;-)

Oh yeah! Ich war mit meinem Mechaniker in der Schweiz zu einem Supermotorennen, sozusagen als neue Erfahrung. Ich war der einzige, der mit reinen MX-Reifen in der Quadklasse gefahren ist. Im ersten Lauf reichte es dann immerhin für Platz vier. Am Nachmittag wollte ich mir dann den Podiumsplatz noch erkämpfen. In der Mittagspause haben wir ein wenig im Wohnwagen gechillt. Als ich gerade dabei war, mich für den zweiten Lauf anzuziehen (man stelle sich vor, wie ich gerade die langen Unterhosen halb angezogen hatte), da rauschten meine Kollegen bereits auf der Strecke an mir vorbei. Ich hatte es nicht mitbekommen, dass man den zweiten Lauf 30 Minuten vorgezogen hatte. Da kann man sich mein Gesicht sehr gut vorstellen, mit einem Bein in der langen Unterbüchse und der Blick nach draußen…

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Foto: Marco Burkert

Seit Jahren steht für Dich ja nicht nur Deine eigene Karriere im Fokus. Du hast daher ein eigenes privates Rennteam gegründet und 2012 hast Du dann zusammen mit Deinem langjährigen Freund Frank Geiling (Cross-Country Profi) das „Geiling-Mohr Racing Team“ ins Leben gerufen. Ihr engagiert Euch für den Nachwuchs und könnt auch hier mit sehr vielen Podiumsplätzen in den verschiedensten Klassen punkten.

Jürgen Mohr Team

Aus wie vielen Fahrern besteht denn derzeit Euer Team?

Dieses Jahr sind wir 12 Fahrer. Ein bunt gemischter Haufen. Wir sind beinahe in allen nur denkbaren Disziplinen und Rennserien unterwegs.

Wie kann man sich Eure Hilfe für den Nachwuchs vorstellen? Was ist Dein Geheimnis, dass sie auch so erfolgreich sind? ;-)

Ich glaube darüber könnte ich ein Buch schreiben… Meiner Meinung nach mache ich aber gar nichts Besonderes. Wir sind ein Team und unterstützen uns alle gegenseitig und helfen uns in jeder Beziehung. Durch die gegenseitigen Tipps, werden wir alle angespornt, weiter an uns zu arbeiten und besser zu werden. Doch irgendetwas läuft schon ganz besonders bei uns. Es war schon oft so, dass die Fahrer tatsächlich erst dann in unserem Team aufgeblüht sind und sich schneller nach vorne gekämpft haben. Ich glaube, es hat etwas mit mentaler Stärke zu tun, die ich fördere, wo ich nur kann. Frank gibt den Jungs auch sehr wichtige Infos um weiterzukommen.

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Foto: Marco Burkert

Was bedeutet das für Dich persönlich und wie packt man das zeitlich alles überhaupt unter einem Hut? Irgendwie muss der Mensch ja auch noch Geld verdienen, um das alles zu finanzieren?

Im Leben geht es immer nur um eines, um Konsequenz! Man kann fast alles in seinem Leben erreichen, wenn der Wille groß genug ist und man mit Niederlagen gut umgehen kann. Im Beruf und im Sport habe ich sogar noch eine Ergänzung gefunden. Ich war erfolgreich im Geschäftskundenvertrieb und arbeite jetzt auch da als Coach. Man kann hier voneinander profitieren. Erfolg im Sport und im Beruf sind ganz dicht beieinander! Du brauchst das Team um Dich herum und Leidenschaft für das was Du tust. Dann geht alles.

Bleibt genug Zeit für ein privates Leben?

Inzwischen ja. Jetzt im Winter sind es schonmal fast fünf Monate, wo ich jegliches Racing in den Winterschlaf schicke. Dadurch komme ich schonmal ganz gut klar. Inzwischen achte ich aber zugegebenerweise mehr darauf, dass Familie und Freunde nicht zu kurz kommen. Das war leider auch schon mal anders. Aber das war in meiner EM-Phase eben einfach schwieriger.

Jürgen Mohr mit Sohn

Von wem würdest Du gern mal ein Interview auf CrossBloxx.de lesen wollen?

Von Thomas Kopp, durch ihn bin ich zum MX-Sport gekommen. Er hat mich infiziert. Er hat auch sehr spät mit dem Sport angefangen und trotzdem geflasht. Thomas war später Deutscher Meister auf dem Jetski.

Letzte Worte:

Egal ob MX-Biker, Enduristen, Quadler, Seitenwagenfahrer, Trialer, Supercrosser, Freestyler, Jetskipiloten, Supermotofahrer, respektiert Euch gegenseitig! WIr haben im Prinzip alle die gleichen Hirnschäden und es gibt nichts geileres, als diese Art von Sport bzw. Racing!

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Foto: Marco Burkert

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