Interview #247 Julia Kasperek

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MX-Girl Jule geht es gelassen an. In ihren Anfangszeiten war sie noch eine der wenigen Mädels, die schon gefahren sind. Heute freut sie sich über jeden Zuwachs in der Ladies-Klasse, mit denen sie an den Start gehen kann.

Lets Rock Fotografie

Foto: Heiko Stahl, Let’s Rock Photografie

Unter welchen Namen kennt man Dich?

Najaaa, eigentlich Julia. Aber ich muss gestehen, dass ich es lieber habe, wenn man mich Jule nennt. So machen es auch alle die mich kennen. Wenn ich Mist gebaut habe und mich jemand Julia nennt, weiß ich, dass es jetzt ernst ist.

Kontakt-Facebook:

Bei Facebook findet man mich unter Jule KaPunkt.

Eine „Sportlerseite“ habe ich nicht. Ich überlasse es den richtigen Sportlern, die damit Geld verdienen. Wer wissen will, wann und wo ich trainiere, der bekommt das schon mit oder fragt mich einfach persönlich.

Wie jung bist Du?

Jung hat mir gefallen! Ich glaube, ich bin mit eine der ältesten in der Ladies-Klasse in MV/BB. 25 bin ich.

Wo kommst Du her?

Ursprünglich komme ich aus Gottesgabe. Das ist ein kleines Dörfchen in der Nähe von der Landeshauptstadt Schwerin. Da ich aber das Alter habe, wo die meisten nicht mehr bei den Eltern wohnen, bin ich zusammen mit meinem Freund in ein Häuschen gezogen. Das liegt jetzt in der Nähe von Strasburg.

Bike:

Yamaha YZ-F 250, Bj. 2015

Verein:

Gerade frisch gewechselt zum MC Touring Strasburg.

Sponsoren:

Habe ich eigentlich keine. Ich bezahle alles allein. Werde aber von meinem Teamchef Dirk Burmeister sehr gut unterstützt. Er hilft mir immer bei allem, zu jeder Zeit.

Wenn Dich Deine Freunde in 3 Worten beschreiben würden, welche wären das? ;-)

Ich habe da einmal genauer nachgefragt und habe folgende Antwort erhalten: Authentisch, abenteuerlustig, einfühlsam, familiär und großherzig. Diese Antwort erhalten zu haben, macht mich echt stolz, denn so sollte es doch sein.

Wie bist Du zum Motocross gekommen und wie waren die Fahranfänge?

Zum MX bin ich durch meinen damaligen Freund gekommen, der selbst gefahren ist. Dort bin ich immer mitgefahren und habe es lieben gelernt. Er war es auch, der meinen Eltern den Vorschlag gemacht hat, mir zum 18. Geburtstag ein Motorrad zu schenken, anstatt Geld oder vielleicht sogar ein Auto. Und ich muss sagen, es war das beste Geschenk, welches ich bis jetzt bekommen habe.

Meine ersten Fahranfänge waren eher streng. Da mein damaliger Freund schon mit fünf Jahren anfing zu fahren. Ich musste quasi immer alles perfekt machen. Da gab es keine Gnade, wenn man mal gestürzt ist oder nicht mehr konnte. Und was ich mir besonders eingeprägt habe: Auf die Haltung achten – das war immer das A und O. Das hat sich bis heute auch so hingezogen und viele sprechen einen auch darauf an, weil es bei dem einen oder anderen eben nicht so ist.

Jule Lets Rock Fotografie

Foto: Heiko Stahl von Let’s Rock Photografie

Wie waren Deine ersten Rennerfahrungen?

Angefangen hat alles bei der Kreismeisterschaft Nordwestmecklenburg, wo ich damals noch das einzige Mädel war. Leider kann ich zu den ersten Rennen nicht mehr viel sagen, weil ich seit meinem Unfall 2011 vieles vergessen habe. was vor dem Unfall war. Teilweise sind noch Bruchstücke da. Ich könnte allerdings nie wie viele andere ein Rennen wiedergeben.

Nachdem Du Dich für Dein erstes Rennen entschieden hast, wie haben da Freunde und Familie reagiert?

Meine Familie war mega stolz und ich sowieso. Ich habe eigentlich nur Positives von Familie und Freunden zu hören bekommen, gerade weil es da noch nicht so üblich war, das Mädels Motocross fahren.

Gibt es eine Lieblingsstrecke? Hartboden oder Tiefsand?

Lieblingsstrecken sind Plate, Vellahn, Wilhelmsburg und Bensdorf. Wie man also sieht, kann ich mich nicht zwischen Hartboden und Sand entscheiden…

11231204_1002877399753236_7137135625555168680_nWelche Meisterschaften fährst Du?

Ich werde die LM MV/BB mitfahren und die für mich örtlich am dichtesten Rennen vom Ladies Cup.
Und vielleicht hier und da vereinzelt mal ein Stoppelcrossrennen oder Hobbyrennen.

Was war bisher Dein größter Erfolg?

Ich weiß nicht, ob man das Erfolg nennen kann, aber es war ein Erlebnis worauf ich mega stolz bin.
Das war 2015 beim Ladies Cup Rennen in Tensfeld, wo viele schnelle Fahrerinnen wie Larissa Papenmeier, Kim Irmgartz oder Maria Franke neben mir am Start standen. Als das Gatter fiel, waren Larissa und ich die ersten, die die Startgerade vorne gerockt haben. Die beiden Kleinsten am Gatter und die Ersten die draußen waren. Das hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Mehr oder weniger startet ja die Saison 2016 schon. Hast Du Dir ein Ziel gesetzt?

Da es wohl eh meine letzte Saison werden wird, steigere ich mich da nicht mehr so rein.
Ich gehe das Ganze locker und entspannt an. Und wer weiß, vielleicht ist das ja eine gute „Strategie“.

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Foto: R&M Pix PZ

Wie sehen die Renntage bei Dir aus? Chaotisch oder sortiert?

Hahaha, eine gute Frage. Ich bin da glaub ich ein totaler Chaot und nehme mir für das nächste Rennen immer vor, alles sortierter anzugehen. Aber da ich mit meiner Familie, die mich immer begleitet, immer eine Menge Spaß habe und wir uns auch nur an Renntagen sehen, da wir so weit auseinander wohnen, funktioniert das absolut nicht. Meistens verquatschen wir uns immer und dann verfall ich in Hektik.

Frühaufsteher oder Morgenmuffel?

Da ich bei der Bundeswehr arbeite, bin ich es gewohnt früh aufzustehen. Also ist es manchmal an Renntagen für mich schon ausschlafen.

Hat die Startnummer #247 einen bestimmten Hintergrund?

Ja, die Startnummer hat einen bestimmten Hintergrund. Ich habe nämlich am 24.07. Geburtstag.

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Foto: R&M Pix PZ

Wie bleibst Du fit, wenn nicht gerade auf dem Track?

Uhhh, ganz schlechte Frage, haha.
Wie schon in der einen oder anderen Frage erwähnt, gehe ich das alles etwas entspannter an. Wir werden damit alle kein Geld mehr verdienen und es soll doch auch Spaß machen. Wenn ich daran denke, dass ich jeden Tag Sport machen und auf das Essen achten müsste, würde mir sehr schnell die Lust an allem vergehen.

Ich genieße da eher mein Leben und sehe es entspannt. Das ganze Leben muss sich nicht nur um den Sport drehen. Den Sport gibt man irgendwann auf und dann sind die Freunde weg, die man in der Zeit vernachlässigt hat.

Welcher Song würde bei Dir unterm Helm laufen, mit dem Du Dich so richtig pushen könntest?

Da habe ich sogar drei Stück von. „Toxicity“ oder „Chop Suey“ von System of a Down oder „Whiskey in the Jar“ von Metallica.

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Foto: Susan Kunkel

Neben wem würdest Du gerne mal am Startgatter stehen?

Früher hätte ich Larissa Papenmeier gesagt, aber in den Genuss durfte ich schon einmal kommen, also muss ich mir ja jetzt jemand Neuen aussuchen.
Gautier Paulin wäre das. Ich finde seinen Fahrstil einfach nur mega. Und ich glaube, würde ich am Start neben ihn stehen, würde ich glatt vergessen den Gang einzulegen.

Hast Du ein Ritual, bevor das Rennen beginnt?

Ich habe drei Rituale, ohne die ich mich am Start nicht wohl fühlen würde.
Als allererstes müssen meine Startklötzer richtig stehen. Da ich so klein bin, brauch ich diese leider.
Dann müssen meine Handschuhe richtig sitzen. Wenn das nicht so ist, macht mich das ganz wuschig.
Und als letztes und mein persönlich wichtigstes Ritual ist: Dass ich, kurz bevor das Gatter fällt, nochmal den Blickkontakt mit meiner Familie suche. Man weiß ja nie was passiert. Und da wir schon einmal eine heikle Situation hatten, ist dieses Ritual sehr wichtig für mich. Ich bin wohl doch ein Familienmensch.

Wo würdest Du Dich gern in 10 Jahren sehen?

In 10 Jahren möchte ich mich gern als verheirate Familienmutter von zwei süßen Kindern am Streckenrand sehen.

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Foto: Susan Kunkel

Gab es mal einen lustigen Moment auf dem Track, der Dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Das war letzte Saison in Luckau. Ich habe ja schon etwas Rennerfahrung. Aber dieses Rennen werde ich nicht vergessen. Ich habe beim Start mit meiner am Streckenrand stehenenden Mutti rumgealbert. Als dann Zeit war zum Gang einlegen war, ließ ich einfach die Kupplung los und habe das Motorrad abgebockt und alle waren weg. Dann stand ich da und musste irgendwie das Motorrad wieder anbekommen. Ich bin dann erst losgefahren, als die anderen schon eine viertel Runde weg waren.

Hast Du noch ein paar Tipps für MX-Girls, die zum ersten Mal ein Rennen bestreiten?

Ja, die habe ich.
Ich kann nur nochmal erwähnen, dass man bei einem Rennen wirklich sehr viel mehr erlernt, als an einem ganzen Trainingstag mit Freunden. Man traut sich komischerweise plötzlich viel mehr zu als sonst. Also einfach mal versuchen. Gerade jetzt, wo wir Frauen unter uns sind. Sollten Fragen aufkommen, wie man sich für ein Rennen nennt oder so was in der Art, dann könnt ihr euch gerne das Interview von Lucie Wittenburg durchlesen oder uns gerne auch anschreiben und nachfragen. Wir sind über jedes Mädel froh, was dazu kommt.

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Jule bei ihrem ersten Ölwechsel. Mit Bravour bestanden. ;-)

Letzte Worte:

Ich hoffe, damit sind meine letzten Worte im Interview gemeint.

Ich möchte mich nochmal bei meiner Familie ganz doll bedanken. Die Beiden stehen bei allem was ich mache, immer hinter mir. Sie kommen immer zu den Rennen, egal wie stressig das auch ist, da mein Dad sonntags noch nach Dänemark zur Arbeit fahren muss. Es sind einfach die perfekten Eltern, die man nur haben kann.

Ein weiteres Dankeschön geht an Dirk Burmeister aus Schwerin. Er hat gerade selbst eine schwere Zeit, da seine Werkstatt durch einen technischen Defekt abgebrannt ist und er quasi vor dem Nichts stand. Doch anstatt aufzugeben, wie es manch einer definitiv getan hätte, macht er in der Ursprungswerkstatt von seinem Papa weiter und ist stets für seine Fahrer da. Ob tagsüber oder auch nach der Arbeit. Er ist einfach der perfekte Teamchef.

Und ein besonderer Dank gilt auch meinen Buddies Daniel Noetzel und Patrick Bosecke, ohne die ich glaube ich so manches Mal nicht hätte starten können! DANKE EUCH!!

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