Interview #18 Lucie Wittenburg

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MX-Ladies! Go! Go! Go!

Wenn ich selbst fahren würde, wäre ich spätestens nach diesem Interview höchst motiviert und ermutigt, doch mal ein Rennen mitzufahren. Gut für Euch ist, ich bleibe lieber meiner Kamera und dem PC treu. ;-)

Ich selbst habe durch Lucie mehr Durchblick. Ich bin gespannt, wer dieses Jahr von Euch so an den Start gehen wird.

An alle MX-Ladies:
Ich bin neugierig auf Eure ersten Rennerlebnisse und wünsche Euch für die Saison viel Spaß und Erfolg!

Danke Lucie für die Einblicke!

Eure Crossbloxx-Koepi

Wie jung bist Du?

Frische 26 Jahre.

Wo kommst Du her?

Aus Grevesmühlen, Nähe der Hansestadt Wismar.

Bike:

Suzuki RMZ 250

Seit wann fährst Du schon?

Seit Mitte 2012.

Wie bist Du dazu gekommen?

Durch meinen Freund. Einige aus unserem Freundeskreis sind bei „Tostys Stoppelcross“ und der „Kreismeisterschaft NWM“ gestartet. Da haben wir dann ab und an zugeschaut. Als Dorfkind ist man früher schon mit einer S50 über den Acker gefahren, von daher war die Entscheidung schnell getroffen und ich habe mir eine Yamaha 125er 2-Takt Baujahr 2004 gekauft. Ich war natürlich stolz wie Bolle. :)

Kannst Du Dich noch an Dein erstes Rennen erinnern?

Mein erstes „Rennen“ war damals ein „Ladies-Rennen“ beim S&W Stoppelcross im Oktober 2012. Wir waren ganze drei Damen. Trotz Schlammschlacht hat es sehr viel Spaß gemacht und alle drei kamen mit einem dicken Grinsen ins Ziel.

Anfang 2013 hatte ich dann in Burg Stargard mein erstes Landespokal-Rennen in Mecklenburg-Vorpommern. Wir sind damals mit den Senioren zusammen gefahren und waren fünf Damen am Start.
Im Laufe der Saison 2013 waren wir sogar auch mal acht Ladies, aber mehr sind damals leider noch nicht zusammen gekommen. Das hat sich in den letzten Jahren zum Glück geändert.

Welche Meisterschaften fährst Du?

Also diese Saison fahre ich den Landespokal MV/BB. Für uns Mädels ist es quasi ein „Probejahr“. Wenn genug Damen zu den Rennen nennen und mit an den Start gehen, haben wir eventuell die Chance, dass wir auch mal unsere eigene Landesmeisterschaft bekommen und dann auch die folgenden Jahre alleine ohne Senioren starten dürfen.

Darüber hinaus möchte ich gerne an drei bis vier Rennen beim Ladies-Cup mitfahren. Auch wenn man nicht unter die ersten Top 20 fährt…

Robin Hannes und Larissa Papenmeier haben sich 2014 dafür eingesetzt, dass der Ladies-Cup wieder stattfindet und das möchte ich auf jeden Fall unterstützen. Zumal man bei diesen Rennen auch die Möglichkeit hat, mit erfahrenen WM-Fahrerinnen wie Larissa Papenmeier, Anne Borchers, Kim Irmgatz und Co. zu starten.

Beim Ladies-Cup 2014 in Tensfeld war sogar Kiara Fontanesi mit am Start. Allein schon neben ihr im Vorstart zu stehen, war irgendwie verrückt und zauberte mir ein dickes Grinsen ins Gesicht. :)

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Foto: hänssgen / LM-Lauf MV/BB in Demmin 2014

Was waren bisher Deine größten Erfolge?

Meinen ersten und bisher leider auch einzigen Laufsieg hatte ich 2013 in Strasburg bei der LM/LP-MV.

Was hast Du Dir für die Saison 2016 vorgenommen?

Ohne Verletzungen durch die Saison fahren und obendrauf auch eine große Portion Spaß haben. :)

Die positive Veränderung ist ja, dass die MV/BB-Ladies bei der Landesmeisterschaft länderübergreifend separat eigene Rennen bestreiten können. So müsst ihr nicht mehr mit den Senioren an das Startgatter gehen, wenn sich genügend aus BB, MV und vielleicht auch Sachsen-Anhalt anmelden.
Was genau bedeutet das für Euch Ladies?

Es ist wirklich eine positive Veränderung, zumal wir dadurch auch „Anfängerinnen“ ermutigen wollen, mit an den Start zu gehen. Klar hört man viel von einigen Damen, die sagen: „Ich bin zu langsam für die LM.“ oder ähnliches. Aber es gibt kein „Zu langsam“. Gerade durch Rennen fahren wird man schneller.

Weiterhin positiv an dieser Entwicklung ist, dass wir Damen uns über eine Qualifikation für die Rennen keine Gedanken mehr machen müssen. Ab und an kam es leider vor, dass entweder Senioren oder Damen bei den Rennen nicht starten konnten, da mehr Fahrer/Fahrerinnen zu den Rennen genannt haben, als eigentlich starten durften. Und es ist wirklich sehr ärgerlich, wenn man nach dem Pflichttraining nach Hause fahren muss. Daher hat also 2016 jede Dame auch wirklich die Möglichkeit an den Rennen teilzunehmen für das sie genannt hat. Ich denke, auch die Senioren werden diese Änderung begrüßen.

Was meinst Du woran das liegt, dass sich so einige Damen nicht anmelden?

Ich kann nur Vermutungen anstellen. Zum größten Teil liegt das am lieben guten Geld, denke ich. Innerhalb unserer „LM MV/BB“ hat man schon einige hundert Kilometer zu fahren. Zu zwei bis drei Rennen fahre ich auch schon mal meine drei bis vier Stunden. Wenn man das zusammenrechnet – Sprit fürs Auto, Nenngeld und alles, was da sonst noch dazu kommt – da sagen sich sicher einige, dass sie lieber in der Nähe zum Training fahren.

Der nächste Aspekt ist einfach die Unsicherheit vieler Mädels. In der Vergangenheit standen wir – wie gesagt – mit den Senioren am Gatter und da ist das Leistungsniveau und die Rennerfahrung natürlich sehr unterschiedlich. Das hat die eine oder andere Fahrerin eingeschüchtert. Nun starten wir bei vielen Rennen separat, und die Anfängerinnen scheinen sich zu trauen, ins Renngeschehen reinzuschnuppern. Das sieht man schon an den Einschreibungen für diese Saison.

Und für diejenigen, die die LM nicht komplett fahren wollen, gibt es natürlich weiterhin die Möglichkeit, als Gaststarterin zu nennen. Wir fahren beim MC Demmin am 19.06.2016, beim MC Mölln am 09.07.2016 und beim MC Rehna am 25.09.2016. Einfach nennen und mal ausprobieren, ob Rennen was für einen sind.

Brandenburg-Rennen finden beim MC Bensdorf am 09.04.2016, beim MCC Spremberg am 29.05.2016, beim MC Schwedt am 26.06.2016, beim MC Schenkenhorst am 04.09.2016 und beim MC Bernauer Schleife am 02.10.2016 statt.

Alle Termine findet man aber auch unter www.Vorstart.de.

Hast Du Tipps, wie sie diese „Hürden“ angehen können? Kannst Du da aus eigenen Erfahrungen berichten?

Eines steht fest, man kann niemanden zu einem Rennen zwingen. Die Mädels müssen sich selbst fit genug dafür fühlen. Was bleibt da also? Training um Selbstsicherheit zugewinnen und sich einfach mit anderen Fahrerinnen unterhalten, was dann beim Rennen auf einen zukommt. Ich stehe da jeder Zeit gerne zur Verfügung und freue mich natürlich auch über neue Trainings-Partnerinnen.
Der letzte Schritt zur Nennung, ist beim ersten Mal dann einfach nur ein wenig Mut. Also Mädels, traut euch ruhig! :)

An dieser Stelle noch ein Tipp von mir. Wir versuchen jetzt regelmäßig einen „Only-Girls“-Lehrgang mit Larissa Papenmeier zu organisieren. Der erste Lehrgang in diesem Jahr ist zwar schon komplett ausgebucht, aber der zweite ist bestimmt nicht weit entfernt. :)

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Foto: MXwave / Ladies-Cup-Lauf in Tensfeld 2014

Was und bis wann müssen die Ladies genau machen, um an der Landesmeisterschaft teilzunehmen. Gibt es da gerade für Neulinge Dinge zu beachten?

Als erstes braucht jede Teilnehmerin eine C-Lizenz. Diese muss man pro Jahr auch nur einmal beantragen und das geht hier: https://mein.dmsb.de.
Wenn man sich dann für ein Rennen entschieden hat, wird über www.Vorstart.de für das jeweilige Rennen genannt. Bedeutet, man füllt ein DMSB-Nennformular online aus und übermittelt dies auch online an den jeweiligen Verein.
Hier werden Personenangaben, Motorrad-Fahrgestellnummer usw. abgefragt.

Kleiner Tipp: Wenn man mit dem Portal Vorstart.de nicht gleich zurecht kommt, gibt es bei YouTube allerhand Videos dazu, die den gesamten Ablauf erklären.

Nennschluss ist immer 14 Tage vor der Veranstaltung. Hält man diese Frist nicht ein, folgt eine 10 Euro-Nachnenngebühr.

Die LVMX-Serie der Damen wurde ja wieder gestrichen, weil sich zu wenige eingeschrieben hatten. Wie viele Fahrerinnen müssten sich denn mindestens einschreiben?

Entscheidend ist nicht, wie viele eingeschrieben sind, sondern viel mehr, wie viele Damen dann wirklich zu den Rennen nennen und auch erscheinen.
Letztes Jahr hatten sich um die elf Damen für die LVMX-Serie eingeschrieben. Das war natürlich sehr ernüchternd, da ja die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen mit dabei waren. Es kann natürlich auch sein, dass eventuell zu wenig Werbung im Vorfeld gemacht wurde.

Dennoch war es mit der LVMX-Serie für Damen ein schöner Gedanke. Schade, dass es nicht angenommen wurde. Aber jetzt wird der Fokus auf die LM-Serien und noch mehr auf den Ladies-Cup gelegt.

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Foto: E&M Fotografie / LVMX-lauf in Grevesmühlen

2015 hatte der MC Grevesmühlen und der MC Schollene den Damen ermöglicht, im Rahmen der LVMX-Ladies einen reinen Ladies-Lauf zu starten. Wie waren die Reaktionen?

Meiner Meinung nach war es ein positiver Schritt in die richtige Richtung. Beim MC Grevesmühlen standen an die 15 Damen am Startgatter und unter ihnen auch eine Dame aus Dänemark. Sogar eine 85er-Fahrerin hatte sich zum Rennen genannt, und siehe da… sie hat sich auch für die LM-Serie dieses Jahr eingeschrieben. Man kann nicht verlangen oder erwarten, dass gleich 30 Damen am Startgatter stehen. Es geht immer nur Stück für Stück.

Was ich in den letzten Tagen verfolgt habe ist, dass die Einschreibungen für die LM-Serie MV/BB 2016 schon um 50 Prozent gestiegen sind. Derzeit sind insgesamt 24 Fahrerinnen eingeschrieben. Das ist u.a. auch Vereinen wie Grevesmühlen, Schollene und nicht zu vergessen auch Mölln zu verdanken. Sie haben den Grundstein mit den reinen Ladies-Läufen gelegt und viele Mädels damit ermutigt. Eventuell folgen ja jetzt noch mehr Fahrerinnen.:) Wir würden uns sehr freuen.

Du hast folgendes gesagt: „Was auf jeden Fall interessant ist, dass in Spremberg der Ladies-Cup zusammen mit dem LM MV/BB-Ladies-Lauf stattfindet.“ Was bedeutet das genau?

Was ich damit meine ist, wenn man sowohl für den Ladies-Cup als auch für die LM MV/BB eingeschrieben ist, schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Man fährt ein Rennen, bekommt aber sowohl Punkte für die LM, als auch für den Ladies-Cup. Hinzu kommt auch, dass an diesem Tag bestimmt an die 30 bis 40 Damen am Startgatter stehen werden. Hier können auch Gastfahrinnen starten, da man nicht unbedingt eingeschrieben sein muss.

Das Gleiche trifft für den Ladies-Cup-Lauf in Teutschenthal zu. Die Damen aus Sachsen-Anhalt haben im selben Zug ihren LM Lauf dort. Das heißt also wieder: ein Rennen, zwei Wertungen und höchstwahrscheinlich ein volles Gatter.

Letzte Worte:

Vielen Dank für dein Interesse, dass wir Damen mehr Zuwachs in unserer LM bekommen. Ich hoffe sehr, dass dieses kleine Interview mehr Ladies ermutigt, auch mal beim Rennen zu starten.

Mein allerletztes Wort geht an meine Familie, meinen Freund, meinen Freunden, meinen Teamchef Mini und all die Sponsoren, die sowohl meine Teamkollegen als auch mich unterstützen.

Unterstützung ist nicht immer nur Geld oder Material, sondern oft auch tolle Gespräche und hilfreiche Tipps. Auch dafür bin ich immer dankbar.

Kurz: „Danke, dass es euch gibt!“

Weitere Informationen zum Ladies-Cup erhaltet ihr hier: www.mx-ladiescup.de

Flyer

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