FMX Profi Kai Haase im Interview

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Ob Kai schon einmal ein Hotelzimmer auseinandergenommen hat und warum man ihn ab und zu noch beim Racing antrifft, erfahrt Ihr im heutigen Interview. ;-)

Vielen Dank Kai!

04 20-22 2015 Miri Hoeller Stuntteam 799

Wie alt bist Du?

mindestens 20

Wo lebst Du derzeit?

Offiziell in Berlin. Ich bin zurzeit jedoch viel im Auto unterwegs.

Bike:

Suzuki RMZ 450

Sponsoren:

Suzuki, Motocross-Shop.de, Upforce Clothing, BRC Racing, Shoei, Vans, Paranoia Ridewear, Dunlop

Du sagst selbst, dass es eine harte Entscheidung war, ins FMX Business einzusteigen. Wie waren die AnfÀnge?

Ja klar war es schwierig. Meine Eltern leben getrennt. Bei meiner Mutter wohne ich und mit meinem Vater bin ich MX gefahren. Aus verschiedenen GrĂŒnden wollte ich aber so nicht mehr weitermachen. Und dann stand ich quasi alleine da. Es hat zwei Telefonate gedauert, bis ich eine Lösung hatte. Das waren mein jetziger „Mechaniker“ (ich möchte ihn nicht Mechaniker nennen, er ist einfach nur mein Kumpel!) und mein damaliger Nachbar und ehemaliger FMX-Fahrer, Busty Wolter. Diese beiden probieren fĂŒr mich bis heute, das Beste aus mir rauszuholen! Somit hatte ich natĂŒrlich einen perfekten Background, um mit FMX anzufangen!

www.foto-schejok.com

Foto: www.foto-schejok.com

Als Freestyler fĂŒhrt man ja ein ziemliches „Rockstar-Leben“. Wie siehtÂŽs aus? Hast Du schon einmal ein Hotelzimmer auseinander genommen? ;-)

Das mit dem Hotelzimmer ist Ansichtssache! Wenn man 1.700 km allein im Auto ist, ist man nicht mehr so sehr Rockstar… Was ist normal?

Was wĂ€re fĂŒr Dich FMX ohne After-Show-Partys?

Ein Sport, der seriöser wirken wĂŒrde. Es ist die eigene Entscheidung, wie man sich als Fahrer verhĂ€lt. Wie viel die Fahrer unter der Woche trainieren, sieht meistens keiner.

Wenn Du mit diversen anderen FMXŽern unterwegs bist, kommen doch sicher viele blöde Ideen auf. Welche war die blödeste, die Du umgesetzt hast?

Wieso sind wir immer die „BadBoys“? :)

Vor allem in den letzten Jahren ist die Sportart so fortgeschritten, dass man sich wirklich fokussieren muss! Es gibt viele Fahrer auf meinem Level, die mit Psychologen zusammenarbeiten. Also mal schnell hier einen Rockstar raushÀngen lassen, ist nicht mehr gang und gÀbe.

Rocket Pix Kox2

Foto: Rocket-Pix, Kings of Xtreme

Wie bastelst Du Dir Deinen Run mit Deinen Tricks zusammen? Was inspiriert Dich dabei, nach welchen Kriterien gehst Du vor?

Also erstmal muss man Tricks trainieren. Vielleicht trainiert man auch auf Tricks hin. Man hat einen bestimmten im Kopf und will diesen unbedingt lernen! Wenn man zu einer Veranstaltung eingeladen wird, probiert man natĂŒrlich die, die am besten bewertet werden, welche wiederum auch am schwierigsten sind. Also man muss an sein Limit!

Beschreib mal das GefĂŒhl, wenn Du an einem Contest teilnimmst und die Bude richtig rockt? Wie wirkt es auf Dich, wenn die Fans Dich richtig pushen?

Beim Contest ist man meist so stark fokussiert, dass man die genaue LautstĂ€rke gar nicht realisiert. Man bekommt es mit, wenn die Zuschauer komplett ausrasten, man hat aber immer seinen Run im Hinterkopf. Bei Shows kann man noch einmal Luft holen, anhalten, genießen und hat nicht den allergrĂ¶ĂŸten Stress, den man sich meist selbst macht.

04 20-22 2015 Miri Hoeller Stuntteam 536In einem Interview 2009 fĂŒr www.funsporting.de hast Du bei der Frage zu Deinen Zielen Folgendes gesagt:
„Mein Hobby zum Beruf machen lautet das Ziel.“
Da warst Du 19. Jetzt haben wir 2016 und Du hast Dein Ziel erreicht. Bist Du zufrieden und hast Du Dir neue Ziele gesetzt?

Hey, ich bin gerade in Spanien, habe nĂ€chste Woche eine Show in Magdeburg. Möchte im Februar nach Italien zum Trainieren und hab dann wieder zwei Shows! Was Besseres kann ich mir nicht vorstellen. Ich fahre durch Europa, um mit meinem Motorrad Spaß zu haben! Ich komm gut ĂŒber die Runden, aber gerade habe ich einfach nur eine gute Zeit und kann mein Leben leben.

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Foto: PhotographX, Antje Kleist / Kai im Training beim MCC Schenkenhorst

Noch eine weitere Antwort, die ich im gleichen Interview gefunden habe: „Wo siehst Du den FMX-Sport in 10 Jahren? Und wo siehst Du dich persönlich?“
Deine Antwort: „Das wird sich zeigen. Wahrscheinlich gehört der Double Flip und Frontflip zum normalen Trick-Niveau, was ich nicht hoffe. Ich werde in zehn Jahren wahrscheinlich schon zu den alten Knackern gehören, so wie Busty es jetzt ist.“
Was sagst Du heute dazu? ;-)

Die Sportart ist eine große Familie und mittlerweile gibt es viele ĂŒber 35 Jahre, die noch Rampe springen. Es kommt immer darauf an, wo man sich einstufen möchte. Das werde ich sehen. Ich will verletzungsfrei bleiben und möglichst viel Spaß und Erfolg haben.

Deine Crew besteht aus Deinen Mechanikern Mini und Paule. Wie kann man sich die FMX-Tage bei Euch vorstellen?

Oft bin ich alleine unterwegs. Wenn ich auf Roadtrips wie diesen bin, geht es hauptsÀchlich ums Fahren. Abends probiert man noch in einer Gruppe etwas zu unternehmen.
Wenn ich zuhause bin, probiere ich vormittags ins Fitness Studio zu gehen, ĂŒber Mittag das Motorrad durchzuschauen, um dann ab vier Uhr nachmittags auf dem Motorrad sitzen zu können. Bei mir in Schenkenhorst kann ich glĂŒcklicherweise bis 20 Uhr fahren. Da ist es dann auch nicht mehr so windig, was mir oft einen Strich durch meinen Plan macht.
Im Winter ist das natĂŒrlich anders, deswegen bin ich gerade nicht in Deutschland!

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Foto: Rocket-Pix, Kings of Xtreme

Man trifft Dich ja immer noch sporadisch beim Racing an. Warum, weshalb, wieso? Der alten Buddies wegen?

Haa. :) HauptsĂ€chlich fĂŒr Mini. Ok, ich hab auch mein eigenes Ego. Wenn ich dann mal einen MX-Lauf mitfahre und ich zum Beispiel vor jemanden bin, mit dem ich vor 10 Jahren in der DM 85ccm schon gekĂ€mpft habe, macht es umso mehr Spaß zu fahren. :) Ich sag ganz ehrlich, ich hab ĂŒber 1.000 Euro fĂŒr den Start am EMX 300ccm Lauf in Lommel ausgegeben! Was ich dafĂŒr bekommen habe? Nicht einmal einen HĂ€ndedruck! Props von Freunden und Kollegen, damit kommt man aber leider nicht ĂŒber die Runden. Ich weiß, ich hab Talent (ich sage es ungerne ĂŒber mich, viele kommen jedoch zu mir und fragen, warum ich keine Meisterschaft mitfahre), um vielleicht irgendwo gut mitfahren zu können. Aber ich hab mir etwas anderes aufgebaut, worauf ich stolz bin und Spaß daran habe, alles von einer anderen Seite sehen zu können. Vielleicht ist das der Grund, warum es auf der Strecke noch so gut klappt?

Welcher Trick ist fĂŒr Dich am schwersten? Und wie bekommt man ein GefĂŒhl fĂŒr Distanzen?

Das GefĂŒhl fĂŒr das Motorrad und Distanzen bekommt man ja schon in den ersten SprĂŒngen, wenn man lernt, weiter zu springen. FĂŒr mich ist der schwierigste Trick die CaliRoll, bei der ich zuletzt gestĂŒrzt bin. Ich hatte ĂŒber ein Jahr eine Blockade im Kopf, was vielleicht auch daran liegt, dass ich seitdem mit meinem Fuß Probleme habe. Mittlerweile möchte ich ihn wieder ins Foam Pit probieren. Das Schwierigste ist: ich habe diesen Trick schon gemacht, ich weiß ich kann ihn, mein Kopf spielt aber im letzten Moment nicht ganz mit…

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Foto: PhotographX, Antje Kleist / Kai im Training beim MCC Schenkenhorst

Wie oft gehst Du noch „just for fun“ freeriden? Wie wichtig ist das fĂŒr Dich?

Ganz ehrlich? Wo kann man in Deutschland freeriden? Ich mach es kaum, ich will nicht zu den Wald- und Wiesen-Fahrern gehören, die den Sport kaputt machen. Ich wĂŒrde gern nach Amerika und schöne SprĂŒnge schanzen!
Aber ja, es ist wichtig mit dem Motorrad zu spielen und Sachen auszuprobieren, aber ich gehe kaum irgendwo anders fahren.

Was sind Deine Gedanken, wenn Du ĂŒber die Medien erfĂ€hrst, dass ein anderer Freestyler einen neuen monstermĂ€ĂŸigen Trick drauf hat?

Siiiiickk…. Was kam in letzter Zeit? Bikeflip, Triple Backflip, Rocksolid Flip… Um diese Tricks zu erreichen, gehören ein paar Schritte davor dazu. Ich arbeite daran…

Letzte Worte:

Jungs und MĂ€dels, wir FMX-Fahrer trainieren nicht ins Foam Pit. Ich bin die letzten Jahre nur zweimal pro Jahr ins Foam Pit gesprungen. Nur um Body Varials o.Ă€. zu trainieren. Vielleicht ist es zu wenig, aber ich hasse es, dort reinzuspringen! Weh tun kann man sich da auch. Alles andere geht im Dirt zu erlernen! Habt keinen Tunnelblick, schaut links und rechts und habt Spaß bei dem, was ihr tut!

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Foto: PhotographX, Antje Kleist / Kai im Training beim MCC Schenkenhorst

 

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