Interview #219 Sebastian Jung

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Die Leidenschaft zum Motocross lässt keinen mehr los………..

Na, wer kennt ihn noch? ;-)

Wir hatten beide viel Spaß beim Interview und ich freue mich, Euch heute den Basti vorstellen zu können!

Danke Basti!

Wie nennt man Dich noch?

In Mecklenburg-Vorpommern (MV) unter den alten Jungs: Junger, oder wie man es spricht „Jungär“, ansonsten Jungi, Basti, Seb

Dein Alter, wenn Du magst:

ja, mittlerweile stramme 31 Lenzen

Motorrad: Aktuell habe ich kein Motorrad. Mein letztes Bike war eine Honda CRF450.

Kontakt-Facebook: Sebastian Jung

Verein: MC Mecklenburg Strelitz

Sponsoren: Da möchte ich mich ganz ganz besonders bei Oliver B. (A-Team) für die jahrelange Unterstützung bedanken. Ohne ihn wären all die geilen Jahre nicht in dieser ausgeübten Form möglich gewesen. Des Weiteren natürlich meine Familie, die tatkräftig als Sponsor aufgetreten ist.

Seit wann fährst Du schon?

kurz: von 1995 – 2012

Mit 9 Jahren ging der Spaß auf einer 80ccm Suzuki los. Das erste Rennen fuhr ich dann mit 10 Jahren in Straßburg. ;-) Also waren es dann aktive 18 Jahre bis 2012.

Der Anfang

 

Welche Meisterschaften bist Du gefahren?

Landesmeisterschaft Mecklenburg Vorpommern
Landesmeisterschaft Berlin/Brandenburg
DMSB-Pokal oder auch OPEN Pokal
Deutsche Meisterschaft
ADAC-MX Masters (leider ohne Erfolg)

 

 

Wie bist Du zum MX gekommen bzw. zum ersten Bike? Kannst Du Dich an Deine erste Fahrstunde erinnern?

Meine Eltern erkannten schon früh, dass ich total verrückt nach allem was Räder hat war. Mein Dad (Matthias Jung) baute mir damals eine Simson S51 auf „Cross“ um, und von da an ging gar nichts mehr. Bei Wind und Wetter ging es mit dem alten Gössel auf dem Sägewerk in Fürstenberg/Havel um die Holzmieten ;-).
Da das irgendwann langweilig wurde, dachte mein Dad, er kauft doch mal eine richtige Crossmaschine. Das war dann die oben genannte 80ccm Suzuki. Er selber war und ist nie mit dem Motorradsport in Verbindung gekommen und hatte daher auch keine große Ahnung, was da auf uns/ihn zukommt. Er war dann doch ganz schön überrascht, was solch eine kleine Maschine an Leistung hat und dachte nur, ob das alles so gut geht? ;-)

Was fasziniert Dich so an MX?

Der Sport ist spektakulär, dreckig, hat einen eigenen Lifestyle und er verlangt einem körperlich alles ab.
Außerdem ist es ein „Einzelkämpfer“ Sport und man kann es nicht auf andere schieben, wenn man schlecht gefahren ist. Einzelkämpfer habe ich deshalb in Klammern gesetzt, da man natürlich niemals die Arbeit des Mechanikers (bei mir natürlich mein Dad) vergessen darf. Ohne ihn an meiner Seite, hätte ich niemals mein volles Leistungspotenzial abrufen können.
Und man sollte nicht vergessen, was man alles für unglaubliche Typen und Menschen über die Jahre kennenlernt.

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Foto: MXMOVE

Du hast einige Meisterschaften gewonnen, an welche erinnerst Du Dich aus heutiger Sicht gern zurück?

Ich habe 2003 die 125ccm 2Takt Junioren gewonnen und 2010 total kurios die OPEN-LM, beides in Mecklenburg-Vorpommern. Ich erinnere mich gern an das Jahr 2010 zurück, da es total verrückt war. Ich habe nicht ein einziges Rennen gewonnen und trotzdem wurde ich Landesmeister.

Man sagt Dir nach, dass Du einen sehr sauberen Fahrstil hast. Wodurch kommt das und findest Du selbst das auch?

Ja, das sagt man mir nach, dass möchte ich nicht abstreiten. Sauber, aber oftmals für den Zuschauer unspektakulär. Nach meiner ersten wirklich schweren Knieverletzung hat ein Prozess eingesetzt, der meinen Fahrstil irgendwie verbessert hat. Ich musste fast ein ganzes Jahr mit dem Motorradfahren aufhören. In der Zeit habe ich für mein Comeback viel auf dem Spinningrad gesessen und wie verrückt Motocross Videos geschaut. Vor allem die Körperposition, die Spurenwahl usw. habe ich intensiv studiert. Ich denke schon, dass mich das irgendwie positiv beeinflusst hat.

In Deiner aktiven Zeit hattest Du Dir ja immer hohe Ziele gesetzt. Wie bist Du mit dem Thema „Deutsche Meisterschaft“ umgegangen?

Was heißt hohe Ziele? Ich war schon ehrgeizig und manchmal vielleicht zu ehrgeizig. Es gab Zeiten, da habe ich immer versucht neben der Arbeit auf Teufel komm raus auf dem Motorrad zu sitzen. Es gibt aber Tage (die jeder wahrscheinlich kennt) an denen einfach mal gar nichts klappen will und man immer hart an der Grenze ist, übel zu stürzen. Dann sollte man das Training zum Freeriden nutzen oder einfach mal sagen: „Heute geht´s halt nicht“.
Um auf Deine Frage zurück zu kommen. Das Thema Deutsche Meisterschaft war immer vor meinen Augen, ein Gewinn der Meisterschaft stand jedoch nie zur Debatte. Aber ein paar Punkte holen und das ein oder andere gute Ergebnis erzielen stand im Fokus. Leider wurden es nur einzelne kleine Highlights für mich.

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Foto: dp-pix.de – Dominik Borchardt, Strecke Vellahn

Eine Zeit lang bist Du während des 4Takt-Booms in der Open-Klasse250SX gefahren. Was war für Dich der Reiz daran?

Ganz einfach gesagt, die Kohle für einen 4Takter war nicht da und mein Sponsor gab mir eine 2Takt Maschine. Ich muss im Nachgang sagen, dass war definitiv keine falsche Entscheidung. ;-) Ich hatte eine Menge Spaß auf der durchaus zickigen 2Takt KTM (gerade wegen der damals fehlenden Umlenkung). Das war auf jeden Fall eine geile Zeit auf dem 2Takt-Biest. Aber wie oben schon erwähnt, war dann auch die Chance und der Wunsch da, überregional zu fahren. Und auf hartem Boden hatte ich einfach, als alter Sandhase, keine Chance. Es ergab sich dann die Möglichkeit ins damalige Team von Jef Janssen zu wechseln und damit dann auch der Wechsel auf den kleinen 4Takter (250ccm).

2Takt oder 4Takt?

Ja das ist immer eine interessante Frage. Ich denke, meine persönliche Meinung ist, dass die 2Takter durchaus wesentlich kostengünstiger in der Unterhaltung sind und auch eine Menge Spaß verbreiten. Aber wenn ich da an Hobbyfahrer denke, könnte ein 4Takter durchaus einfacher zu fahren sein.
Ich hatte auf beiden Varianten eine Menge Spaß und die CRF450 fährt sich auch wie ein kleiner handlicher 2Takter (soll jetzt aber keine Werbung sein).

Viele waren Dir in Deiner aktiven Zeit dankbar, wenn Du ihnen als Hobbypiloten und Anfängern Tipps gegeben hast. Warst/bist Du gerne „Trainer“?

Ich habe nie ein Trainingslager gemacht oder organisiert, da ich nicht wusste ob es angenommen wird. Ich muss aber sagen, dass die Male, wo ich den einen oder anderen Fahrer Tipps gegeben habe, wirklich Spaß gemacht haben. Man konnte, bei korrekter Umsetzung, den Erfolg an der Stoppuhr messen.

Da fällt mir eine kleine Story ein. Ich war leider mal wieder verletzt, aber ließ mich nicht lumpen und bin mit meinem Kumpel Frank Hoffmann alias „DackelFrank“ auf den secret Spot im Raum Oranienburg zum Training gefahren. Dort verfolgte ich das Geschehen ein paar Runden und dann dachte ich mir, hol den Verrückten mal von der Strecke.         Danach habe ich ihm gesagt, welche Sektion er fahren soll und nahm, ohne das er es mitbekommen hat, die Zeiten. Ich holte ihn nach einer Weile von der Strecke und meinte: „Nun fahr die gesamte Sektion „einfach“ mal im Stehen.“ Frank meinte nur: „Mhhh, okay“ und ging auf den Track. Ich ließ ihn machen und stoppte fleißig die Zeiten. Es sah von außen ziemlich unspektakulär aus, jedoch sehr flüssig.                                              Danach fragte ich ihn: „Und was meinst du, was war schneller?“ Er sagte zu mir (wie soll es anders sein): „Na die ersten Runden vom Gefühl her.“                                                   Ich zeigte ihm dann die Zeiten und er hat nicht schlecht gestaunt. Er war satte 1,5 Sekunden schneller auf der kleinen Sektion und das nur, weil er im Stehen gefahren ist. Natürlich soll das jetzt nicht bedeuten, fahrt alles im Stehen, aber so kann man ein sehr gutes Gefühl für das Motorrad entwickeln. Daran merkt man auch das man kippt, weil man eventuell zu langsam war oder das Motorrad nicht genug auf Zug hatte.

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Foto: BB PHOTO ART

Eine Frage, die ich Dir stellen soll. ;-) Goonst Du auch manchmal nach harten Trainings?

Leider liegt mir das Goonen nicht so, daher habe ich diese verrückte Art nie wirklich ausgeübt. Der Hype kam auch etwas nach meiner aktiven Zeit. Die Goonexperten wie Roy Berger, Marvin Beier oder Michel Suhr haben es da deutlich besser auf dem Kasten.

Hand aufs Herz! Was war Dein peinlichster Moment?

Ehrlich jetzt? Ich hatte da ein Rennerlebnis, was mir im Nachgang wirklich peinlich war und was mich auch noch ein wenig durch die Saison begleitet hat.                                   Es war ein Rennen in Groß Schwiesow zum OPEN-Pokal. Es war nicht mein bester Tag, was nicht die wesentliche Rolle spielte, aber es wirkte sich auf meine Performance aus. Ich lag bis zur letzten Runde und auch letzten Kurve unter den Top 5, dann erlaubte ich  mir einen folgenschweren Fehler. Wer Groß Schwieso kennt, weiß was ich meine. Zur letzten Kurve kann man einen riesen Bogen fahren um Schwung mitzunehmen, aber das sollte man im Infight und in der letzten Runde vermeiden. Mein Dad stand schon auf der Strecke und sah das Übel kommen. Er zeigte schon wie wild an, das ich innen fahren soll. Aber der Sohnemann wollte nur wie jede Runde fahren und schwupps war Arne Domeyer innen mit einem sauberen Blockpass durch.                                                                      Das war ziemlich peinlich und mein Name war auch schnell für die kommenden Rennen gefunden. Wie sagte Arne so schön: „Na was geht, `letzte Kurve´ “? ;-)

Momentan fährst Du ja nicht, wie bleibst Du trotzdem in Form?

Meine Form hielt ich in letzter Zeit beim joggen einigermaßen aufrecht und wenn es die Zeit erlaubt, dann gehe ich auch mal mit dem Hardtail auf den Kurs ;-). Allerdings wird es zeitlich immer schwieriger, da ich neben der Arbeit noch ein Abendstudium begleite. Ich muss also langsam aufpassen, dass ich nicht bald wie ein „Michelinmännchen“ aussehe.

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Foto: Robert Loughlin

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Foto: Robert Loughlin

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Foto: Robert Loughlin

Die Spatzen pfeifen vom Dach, dass Du nochmal angreifen willst. Hast Du schon Pläne für die Zukunft? Wo und wie werden wir Dich wieder auf der Strecke sehen können?

Ach die Spatzen? ;-) Was soll ich sagen, mir fehlt der Sport und das Motocross fahren sehr. Ich bin aktuell noch ziemlich eingespannt bezüglich des Studiums. Wenn alles glatt läuft, sollte ich das aber im August 2016 abgeschlossen haben. Der Drang zum Fahren wächst unaufhörlich, daher denke ich daran, mich nach dem Abschluss mal wieder auf ein Bike zu setzen. Bevor das aber passiert, möchte ich mich auch dementsprechend körperlich darauf vorbereiten. Aktuell gibt es dafür aber keinen definierten Zeitplan. Ich möchte einfach mal wieder das Fahren genießen und dann schauen was sich so ergibt ;-) Ob ich dann mal wieder ein Rennen bestreiten werde, steht noch vollkommen in den Sternen. Aber das ein oder andere Training sollte hoffentlich möglich sein.

Gibt es eine Strecke, auf der Du besonders gern trainiert hast?

Ja, da fällt mir spontan Neustrelitz ein, mein Home Track. Da kannte ich wirklich jedes Loch. Auch die Strecke in Burg Stargard war immer eine Reise wert und im Winter gab´s kaum was Besseres, als die Strecke in Fürstenberg/Havel.

Hast Du Tipps für Anfänger und Kids?

Schwierige Frage. Als Erstes würde ich sagen, habt immer Spaß an dem was Ihr macht. Als nächstes würde ich sagen, wenn es mal an einem Tag wirklich nicht so rund laufen sollte und einfach der Teufel drin steckt, dann versucht nie auf Krampf weiter zu machen.
Für jeden Anfänger würde ich folgenden Tipp geben. Fahrt die ersten Runden auf der Strecke grundsätzlich im Stehen und versucht dann mal ohne die Kupplung zu ziehen, die Runden zu drehen. Ihr werdet sehen, dass es nicht so einfach ist, aber so bekommt man ein sehr gutes Gefühl für sein Bike und bekommt einen runden Fahrstil hin. Ich kann es zwar nicht versprechen, aber probiert es einfach mal aus.

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Foto: Annett Bbphotoart GrünStein – Groß Schwiesow

Was meinst Du, warum MX noch viel zu wenig in den Medien Niederschlag findet.

Wie soll ich es sagen. Es ist und bleibt hierzulande eine Randsportart die viel zu wenig Beachtung bekommt. Trotzdem denke ich, dass durch das ganze „Social Media“ der Sport wesentlich mehr Interesse erweckt und bekommt, als noch vor Jahren in denen es kein Facebook, Twitter ect. gab. Wenn man mal schaut, wie viele Fotografen heute an den Strecken stehen und man wirklich Hammer geile Pics oder auch Videos vom Rennen oder Training bekommt, ist das schon total geil.

Hast Du ein Motto?

Wenn es mal nicht so läuft wie man es sich vorstellt, dann einfach aufstehen, den Dreck aus dem Gesicht schmieren und weiter geht’s.

Gab es Rituale von Dir an Renntagen oder am Startgatter? Was waren Deine letzten Gedanken, bevor das Gatter fiel?

Ja schon. Ich war im Vorstart immer sehr fokussiert und habe versucht meine Konzentration aufrecht zu halten. Ich ging oftmals in die Knie und habe mein Bike am Vorderrad oder an der Fußraste berührt und bin in mich gegangen und habe versucht meinen Puls zu beruhigen, um dann im richtigen Moment auf volle Touren zu gehen ;-)

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Foto: Denny Schöpling / Start Templin

Wenn Du 10 Jahre weiter denkst, wo siehst Du Dich da?

Ja in 10 Jahren möchte ich definitiv erfolgreich im Beruf sein und vor allem gesund bleiben. Des Weiteren möchte ich mit meiner Freundin Nicole gern ein Heim aufbauen und dann auch für Nachwuchs sorgen. ;-)
Vielleicht, wenn es doch gut klappt mit dem erneuten aktiven Fahren, das ein oder andere positive Ergebnis einfahren…

Von wem würdest Du gern in einem der nächsten Interviews lesen wollen?

Mir fallen da mehrere ein… Ich würde gern meinen alten Teamkollegen Michel Suhr nominieren. Max Bülow (der Sohn von meinen ehemaligen Sponsor) und Benni Mallon wären auch interessant.

Letzte Worte:

Ich möchte mich wirklich nochmals ausdrücklich und von ganzem Herzen bei Oliver (A-Team) bedanken. All die geilen Jahren auf und neben der Piste habe ich ihm, durch seinen unglaublichen Support, zu verdanken. Mein Vater muss ich auch großen Respekt zollen, denn er ermöglichte es mir, immer auf ein Bike zu steigen, das immer top vorbereitet war. Druck gab es auch keinen, den habe ich mir leider oftmals immer selber gemacht

Ganz zum Schluss möchte ich mich auch bei meiner Freundin bedanken, die mich auch in den schwierigen Phasen des Sports immer unterstützt hat und an meiner Seite stand.

Und noch an alle… Lebt den Sport und vergesst nie den Spaß am Fahren, denn es gibt nichts geileres, als um die Kurven im Depp Digger Style zu ballern….

Deep Digger

Foto: Klaus von twostrokepimp

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